Weltschlaganfalltag: Schlaganfall kann das Herz schwächen

25. Oktober 2017 – Nach einem Schlaganfall besteht ein erhöhtes Risiko, eine chronische Herzschwäche zu entwickeln, berichten Forscher aus Würzburg und Duisburg-Essen im Vorfeld des Weltschlaganfalltags im Fachmagazin „Annals of Neurology“. Die Entdeckung der Naturwissenschaftler und Mediziner hat potenziellen Einfluss auf die Behandlung.

„Beim Schlaganfall darf nicht allein die Hirnfunktion betrachtet werden, auch eine langfristige Herzdiagnostik muss ins Auge gefasst werden“, sagt Prof. Christoph Kleinschnitz von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, leitender Neurologe der Studie. Die Wissenschaftler haben erstmals die Auswirkungen eines Schlaganfalls auf die Herzfunktion experimentell untersucht. Acht Wochen nach einem induzierten Schlaganfall maßen sie bei Mäusen eine signifikant reduzierte Pumpfunktion, ausgelöst durch eine chronische Überaktivierung in einem Teil des Nervensystems, dem Sympathikus. Dieses Problem führt zudem zu einer vermehrten Kollagenbildung direkt am Herzen. Die Forscher konnten auch nachweisen, dass Betablocker die Herzinsuffizienz verhindern können. Metoprolol senkte die sympathische Aktivierung, verbesserte die Herzfunktion signifikant und die morphologischen Veränderungen am Herzen blieben aus.

Herzschwäche ist ein bekannter Risikofaktor für einen Schlaganfall. Auch umgekehrt besteht ein Zusammenhang: Bei 19 Prozent aller Schlaganfallpatienten kommt es innerhalb der ersten drei Monate zu einem schweren kardialen Zwischenfall: einem Herzinfarkt oder zu einem plötzlichen Herztod. Doch bisher waren die langfristigen Konsequenzen eines Schlaganfalls für die Herzleistung kaum erforscht. Durch die enge Zusammenarbeit von Neurologen, Kardiologen und klinischen Epidemiologen der Universitätskliniken Würzburg und Duisburg-Essen sowie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) konnte das Projekt "SICFAIL" (durch einen Schlaganfall hervorgerufene Funktionsverschlechterung des Herzens) nun die Bedeutung von Schlaganfall-induziertem Herzversagen beobachten, bewerten und auch neue Behandlungsstrategien entwickeln. SICFAIL besteht aus einem experimentellen und einem klinischen Teil, der noch nicht beendet ist.

Im klinischen Teil der SCIFAIL-Studie wird nun überprüft, inwieweit die medikamentöse Therapie mit einem Betablocker auch ein sinnvoller Ansatzpunkt bei Patienten nach einem Schlaganfall ist. Ergebnisse der ersten Analysen werden Anfang nächsten Jahres erwartet. Finanziell gefördert wurden die Arbeiten durch das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

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Zur Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen