Neue FEES-Experten-Workshops: DGN, DSG und DGG entwickeln erfolgreiches FEES-Curriculum weiter

19. Dezember 2018 – Vor dem Hintergrund des nachhaltigen Erfolgs des FEES-Ausbildungscurriculums wollen die beteiligten Fachgesellschaften nun ein weiteres Fortbildungsmodul einrichten.

Nicht zuletzt aufgrund der Fortbildungsinitiative der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) für die flexible endoskopische Evaluation des Schluckaktes (FEES) hat sich diese Technik in deutschen Kliniken inzwischen als diagnostischer Standard zur Abklärung von Schluckstörungen etabliert.

Neuer FEES-Experten-Workshop richtet sich an Dysphagie-Experten

Die neuen FEES-Experten-Workshops sollen dem Fortbildungsbedarf Rechnung tragen, der sich aus der wachsenden Kompetenz der Dysphagie-Experten ergibt, und den Austausch zwischen den einzelnen FEES-Standorten in Deutschland fördern. Sie können von FEES-Ausbildern organisiert werden und sollen aus mindestens halb- bis eintägigen Seminaren bestehen (4-8 Zeitstunden). Inhaltlich gliedern sie sich in drei Teile (siehe Abb. 1):

  1. Ein oder mehrere externe Referenten sollen ein oder mehrere übergeordnete Themen aus dem Gebiet der Dysphagiologie vertiefend und über die inhaltlichen Vorgaben des FEES-Curriculums hinausgehend vorstellen. Beispiel: Einsatz des Expiratory Muscle Strength Training (EMST) zur Behandlung der Dysphagie bei verschiedenen Patientengruppen oder differenzierter Einsatz anderer instrumenteller Verfahren wie VFSS und HRM. Der Anteil dieses Elements soll ca. 25 Prozent der gesamten Workshop-Zeit betragen.
  2. Ein oder mehrere weitere Vorträge sollen das Thema „Neue Entwicklungen/Protokolle der FEES-basierten Diagnostik und Therapie“ adressieren und auf einem fortgeschrittenen wissenschaftlichen Niveau präsentieren. Beispiel: Die Vorstellung verschiedener Residuen-Skalen. Auch für dieses Strukturelement sollen ca. 25 Prozent der Fortbildungszeit aufgewandt werden.
  3. Die Teilnehmer stellen mitgebrachte und/oder von den Workshop-Ausrichtern vorbereitete Fallbeispiele vor und diskutieren sie idealerweise interdisziplinär. Hier soll neben der Diskussion besonders lehrreicher und komplexer Fälle auch Zeit für ein Troubleshooting und für die kritische Darstellung problematischer Krankheitsverläufe gegeben werden. Auf diesen sehr praxis-orientierten Teil des Workshops sollen ca. 50 Prozent der Zeit entfallen.

190328 FEES Tabelle
Abb. 1

Kursangebot künftig auf der DGN-Homepage

Die neuen FEES-Experten-Workshops sollen zunächst als freiwillige Weiterbildungsmöglichkeit eingeführt werden. Sie richten sich vor allem an Inhaber des FEES-Zertifikats und des FEES-Ausbilder-Zertifikats, stehen aber grundsätzlich anderen Interessierten offen. DGN, DSG und DGG empfehlen schon jetzt, dass vor allem FEES-Ausbilder, die FEES-Basiskurse ausrichten, Hospitationen betreuen und/oder Supervisionen begleiten, mindestens alle zwei Jahre einen entsprechenden FEES-Expertenworkshop zu besuchen – vorausgesetzt, es gibt ein entsprechendes Angebot an geeigneten Veranstaltungen. Die Kurse sollen über die DGN-Homepage angekündigt werden und müssen, wie auch die FEES-Basis-Seminare, von der DGN akkreditiert werden. Zu diesem Zweck sind die Programmvorschläge mit ausreichendem zeitlichem Vorlauf an zu senden.

 

Das FEES-Ausbildungscurriculum: eine Erfolgsgeschichte

Das FEES-Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Deutschen Schlaganfallgesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) wurde im Jahr 2014 ins Leben gerufen [1]. Seitdem hat diese Initiative mehr als 500 FEES-Zertifikate und mehr als 400 FEES-Ausbilder-Zertifikate vergeben. Das Angebot an curricularen FEES-Kursen an verschiedenen Standorten in Deutschland steigt kontinuierlich. Auch Hospitationsmöglichkeiten wurden an mehreren Kliniken systematisch implementiert. Zuletzt hat sogar die European Society for Swallowing Disorders (ESSD) ein in relevantem Umfang an das Deutsche Konzept angelehnte Ausbildungsprogramm vorgestellt [2].

Eine aktuelle Umfrage unter Deutschen Stroke Units zeigt, dass die FEES hier in mehr als 70 Prozent der Einrichtungen zur Verfügung steht, was im 5-Jahres-Horizont einem Plus von ca. 25 Prozent entspricht [3, 4]. Konsequenterweise wurde die FEES zwischenzeitlich auch in den Katalog der Strukturkriterien für die DSG-Stroke-Unit-Zertifizierung aufgenommen [5]. Zudem wurde die FEES in einem rezenten Survey (Management of Dysphagia on the ICU, MADICU) von mehr als 80 Prozent der Neurointensiv-Medizinern als regelhaft eingesetzte Diagnostik genannt [6]. Darüber hinaus ist als Folge dieser Entwicklungen der Stellenwert der FEES auch in anderen neurologischen Bereichen erheblich angestiegen. So wird die FEES zum Beispiel in der S3-Leitlinie „Idiopathisches Parkinson-Syndrom“ der DGN von 2016 erstmalig als wichtiges instrumentelles Verfahren für das Management von Parkinson-bedingten Dysphagien genannt [7]. Parkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen sind derzeit in Deutschland hinter dem akuten Schlaganfall die zweithäufigste Indikationsgruppe für die Durchführung einer FEES. Auch innerhalb der Gruppe der Motoneuronerkrankungen und der verschiedenen neuromuskulären Krankheitsbilder hat sich die FEES als wertvolle Untersuchungsmethode etabliert [8] und spielt auch zur Abklärung der Presbyphagie eine übergeordnete Rolle [9].

 

Literatur

  1. Dziewas, R., et al., [FEES for neurogenic dysphagia: training curriculum of the German Society of Neurology and the German Stroke Society]. Nervenarzt, 2014. 85(8): p. 1006-15.
  2. Dziewas, R., et al., European Society for Swallowing Disorders FEES Accreditation Program for Neurogenic and Geriatric Oropharyngeal Dysphagia. Dysphagia, 2017.
  3. Flader, C.M., C. Rosendahl, and T. Gunther, [Guideline conform diagnostics for dysphagia : A representative survey of speech therapists at certified stroke units in Germany]. Nervenarzt, 2017.
  4. Suntrup, S., et al., Dysphagiediagnostik und -therapie des akuten Schlaganfalls - eine bundesweite Erhebung auf zertifizierten Stroke Units. Nervenarzt, 2012. DOI 10.1007/s00115-012-3611-9.
  5. DSG. SU-Zertifizierungsantrag. 2018 [cited 2018 01.11.2018]; Available from: https://www.dsg-info.de/stroke-units/zertifizierungsantraege--zertifizierungskriterien.html.
  6. Marian, T., et al., Are intensive care physicians aware of dysphagia? The MAD(ICU) survey results. Intensive Care Med, 2018. 44(6): p. 973-975.
  7. Deuschl, G., W. Oertel, and H. Reichmann, Idiopathisches Parkinson-Syndrom; S3-Leitlinie der DGN. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2016.
  8. Burgos, R., et al., ESPEN guideline clinical nutrition in neurology. Clin Nutr, 2018. 37(1): p. 354-396.
  9. Wirth, R., et al., Oropharyngeal dysphagia in older persons - from pathophysiology to adequate intervention: a review and summary of an international expert meeting. Clin Interv Aging, 2016. 11: p. 189-208.

 


Autoren

Rainer Dziewas, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Campus 1, 48149 Münster

Ilia Aroyo, Klinik für Neurologie und Neurointensivmedizin, Klinikum Darmstadt, Grafenstr. 9, 64283 Darmstadt

Ulrich Birkmann, GFO Kliniken Troisdorf, Betriebsstätte St. Johannes Sieglar, Wilhelm-Busch-Str. 9, 53844 Troisdorf

Tobias Braun, Universitätsklinikum Gießen und Marburg - Standort Gießen Klinik für Neurologie Klinikstrasse 33, 35392 Gießen

Annette Förster, Schön Klinik Hamburg Eilbek, Dehnhaide 120, 22081 Hamburg

Marco Gerschke, Schön Klinik Hamburg Eilbek, Dehnhaide 120, 22081 Hamburg

Jörg Glahn, Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie, Johannes Wesling Klinikum, Minden

Tineke Greiner, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum

Samra Hamzic, Universitätsklinikum Gießen und Marburg – Standort Gießen, Klinik für Neurologie, Klinikstraße 33, 35392 Gießen

Kai Hansen, Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich, Standort Wittlich, Abteilung für Neurologie, Koblenzerstr. 91, 54516 Wittlich

Christine Helfer, Kliniken für HNO und Neurologie, Vivantes Klinikum Neukölln, Rudower Straße 48, 12351 Berlin

Hans Jürgen Heppner, Universität Witten/Herdecke, Geriatrische Klinik und Tagesklinik, HELIOS Klinikum Schwelm, Dr.-Moeller-Straße 15, 58332 Schwelm

Mirco Hiller, Zentrum für Diagnostik und Therapie bei Schluckstörungen, Scherbank 18, 09456 Annaberg-Buchholz

Nina Hoffmann, Evangelischen Kliniken (EvK) Gelsenkirchen, Munckelstraße 27, 45879 Gelsenkirchen

Martin Jäger, Hüttenhospital gGmbH, Am Marksbach 28, 44269 Dortmund

Jochen Keller, Klinik für Akut-Geriatrie, St. Martinus-Krankenhaus, 40219 Düsseldorf

Alexandra Krisch, Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich, Standort Wittlich, Abteilung für Neurologie, Koblenzerstr. 91, 54516 Wittlich

Christoph Kley, GFO Kliniken Troisdorf, Betriebsstätte St. Johannes Sieglar, Wilhelm-Busch-Str. 9, 53844 Troisdorf

Sriramya Lapa, Klinik für Neurologie, ZNN, Universitätsklinikum Frankfurt a. M., 60528 Frankfurt a. M.

Christian Ledl, Schön Klinik Bad Aibling, 83043 Bad Aibling

Beate Lindner-Pfleghar, Klinik für Neurologie, Universitäts- und Rehabilitationsklinikum Ulm RKU, Oberer Eselsberg 45, 89081 Ulm Ulm

Bettina Mall, Klinik für Neurologie, Uniklinik RWTH Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen

Darius Nabavi, Klinik für Neurologie, Vivantes Klinikum Neukölln, Rudower Straße 48, 12351 Berlin

Axel Riecker, Praxis für Neurologie und Geriatrie, Olgastraße 83-85, 89073 Ulm

Wolfgang Schlaegel, Fachklinik Ichenhausen, Krumbacher Straße 45, 89335 Ichenhausen

Sönke Stanschus, St. Mauritius Therapieklinik, Strümper Straße 111,  40670 Meerbusch

Joachim Schur, Sana Kliniken Ostholstein GmbH, Middelburger Straße 1, 23701 Süsel-Middelburg

Randall Thomas, Asklepios Kliniken Schildautal, Karl-Herold-Str. 1, 38723 Seesen

Tobias Warnecke, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Campus 1, 48149 Münster

Cornelius J. Werner, Klinik für Neurologie, Uniklinik RWTH Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen

Dietrich Willemsen, Sana Kliniken Ostholstein GmbH, Middelburger Straße 1, 23701 Süsel-Middelburg

Rainer Wirth, Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation, Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Hölkeskampring 40, 44625 Herne

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