Phase-III-Studien zu Aducanumab abgebrochen

Am 21.03.2019 gab die Firma Biogen bekannt, die Phase-III-Studien zu Aducanumab einzustellen. Eine Zwischenauswertung hatte ergeben, dass die Studien (ENGAGE und EMERGE) ihren primären Endpunkt höchstwahrscheinlich nicht erreichen werden.

Der Hersteller entschied sich daher zum Abbruch der Studien, die die Sicherheit und Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium untersuchen sollten. Primärer Endpunkt beider placebokontrollierten Studien war die Wirksamkeit der monatlichen Gabe von Aducanumab im Hinblick auf die Verlangsamung des kognitiven und funktionellen Abbaus, erhoben anhand eines speziellen Scores, dem „Clinical Dementia Rating-Sum of Boxes“ (CDR-SB)-Score.

„Für die Alzheimer-Forschung ist das ein herber Rückschlag, da es sich um ein bis dato vielversprechendes Medikament handelt, das bei positivem Verlauf bereits 2023 auf dem Markt verfügbar gewesen wäre. Angesichts der steigenden Prävalenz von Menschen mit Demenzerkrankung ist die Dringlichkeit, wirksame Therapien zu entwickeln, natürlich besonders hoch“, erklärt Prof. Dr. Richard Dodel, Neurologe an der Universität Duisburg-Essen.

Aducanumab bindet lösliche Oligomere und Ablagerungen von fibrillärem Aβ und weist eine hohe ZNS-Penetration auf. Die Ergebnisse der PRIME-Studie [1], einer Phase-II-Erhebung, die 2016 im renommierten Journal `Nature´ publiziert worden war, hatten darauf hingedeutet, dass es auf diese Weise das Fortschreiten der neurokognitiven Defizite erfolgreich verlangsamen kann.

Alzheimer-Experten diskutieren momentan die Ursachen für die negativen Ergebnisse der Studie. Unter anderem werden drei Hypothesen aufgeführt: Möglicherweise war die Alzheimer-Erkrankung in der Studienpopulation bereits zu fortgeschritten und der Antikörper sei nur in früheren Stadien wirksam, möglicherweise stimmt die Hypothese nicht, dass Alzheimer-Symptome tatsächlich durch die Amyloid-Ablagerungen, die alle Patienten aufweisen, ausgelöst werden, oder drittens, Aducanumab baut nicht die Hauptform von Amyloid ab und sei damit nur eine „smoking gun“.

„Die Offenlegung der Daten wird zeigen, welche der Hypothesen sich bestätigt und wir werden daraus lernen und diese Erkenntnisse für weitere Forschungsaktivitäten nutzen. Derzeit befinden sich mehr als 30 Medikamente gegen Alzheimer in der Testung, mit ganz unterschiedlichen Therapietargets. Auch wenn die Hoffnung auf eine schnelle Lösung nun zerschlagen wurde, sind meine Kollegen und ich zuversichtlich, dass wir den Kampf gegen Alzheimer gewinnen werden. Die Forschung hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. Wichtig ist, die Alzheimer-Forschung nun forciert zu fördern und breit aufzustellen, um schnell ans Ziel zu gelangen“, erklärt Prof. Dodel abschließend.

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