Update: DGN-Leitlinie „Idiopathische intrakranielle Hypertension“

7. Mai 2019 – Die S1-Leitlinie „Idiopathische intrakranielle Hypertension“ (AWMF-Registernummer 030/093) wurde unter Federführung von Prof. Dr. Ullrich Wüllner, Bonn, komplett überarbeitet. Sie ist bis Februar 2024 gültig.

Die Leitlinie richtet sich an Neurologen, Neurochirurgen, Augenärzte, Kinder- und Jugendmediziner sowie Neuroradiologen, die postpubertäre Patienten mit idiopathischer und sekundärer intrakranieller Hypertension behandeln. Eine entsprechende Leitlinie für Kinder ist in Vorbereitung.

Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH) bezeichnet eine ätiologisch heterogene intrakranielle Liquordrucksteigerung ohne Nachweis einer intrakraniellen Raumforderung oder einer akuten Thrombose der venösen Blutleiter. Die Leitlinie stellt diagnostische und therapeutische Maßnahmen dar und gibt Empfehlungen zur Akut- und Langzeittherapie mit einem entsprechenden Algorithmus.

Neu in die Leitlinie aufgenommen wurde, dass Gewichtsreduktion plus Acetazolamid der alleinigen Gewichtsreduktion überlegen ist. Gesichtsfeld, Papillenödem, Lebensqualität und Liquordruck waren in der mit Acetazolamid behandelten Gruppe signifikant verbessert.

Eine Vielzahl von Medikamenten, v.a. Tetrazykline, können zu Liquordrucksteigerungen führen. Auch Anlagevarianten der Hirnsinus, Pacchioni’sche Granulationen und klinisch inapparent abgelaufene Sinusthrombosen können den Liquordruck steigern; manche dieser primären venösen Stenosen könnten durch Ballon- oder Stent-gestützte Techniken interventionell therapierbar sein. Etwa zehn Prozent der Patienten mit (therapierefraktären) chronischen, täglichen Kopfschmerzen könnten unter intrakranieller Hypertension leiden und sollten auch ohne klinisch manifeste Stauungspapillen eine Liquordruckmessung erhalten.

Die Leitliniengruppe empfiehlt eine individualisierte Therapie, eskalierend entsprechend dem Schwergrad der Sehverschlechterung und der Ausprägung des Papillenödems. Kopfschmerzen können eine Indikation zur internen Liquorableitung oder zur interventionellen Therapie darstellen, auch wenn der Visus stabil ist. Ein LP-Shunt sollte immer mit Schwerkraftventil gelegt werden. Die interventionelle Therapie wird nach Einzelfall ausgewählt. Bei Adipositas per magna kann Adipositaschirurgie erwogen werden.
 

Zur Leitlinie "Idopathische intrakranielle Hypertension"

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