Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen

04. September 2019 – Die S2k-Leitlinie „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“ (AWMF-Registernummer 030/114) steht ab sofort in einer umfänglich überarbeiteten Neufassung zur Verfügung. PD Dr. med. Tanja Schlereth, Wiesbaden, hat die Leitlinienarbeit koordiniert, an der Vertreter der DGN, aber auch der SNG und ÖGN mitgearbeitet haben.

In der Leitlinienüberarbeitung gingen auch die Empfehlungen der „Neuropathic Pain Special Interest Group der IASP = International Association for the Study of Pain“ (NeuPSIG) ein.

Neuropathische Schmerzen entstehen als direkte Folge einer Schädigung oder Läsion des somatosensorischen Systems. Die Therapie neuropathischer Schmerzen unterscheidet sich von der Therapie anderer chronischer Schmerzen, bei denen das somatosensorische Nervensystem nicht geschädigt ist (die IASP hat neben neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen noch die Entität „noziplastischer Schmerzen“ definiert). Eine genaue Diagnostik ist daher obligat. Die Diagnose neuropathischer Schmerzen soll sich gemäß Leitlinie auf die typischen Symptome und Befunde neuropathischer Schmerzen stützen, die Schädigung oder Läsion des somatosenorischen Systems mittels klinisch-neurologischer Untersuchung und konfirmatorisch mittels apparativer Diagnostik nachgewiesen werden. Die Therapie sollte die Möglichkeiten einer kurativen oder kausalen Therapie (z. B. Neurolyse bei Engpasssyndromen, optimale Diabeteseinstellung bei diabetischer Neuropathie) ausschöpfen. Eine Herausforderung stellt nach wie vor die Herbeiführung einer ausreichenden medikamentösen Schmerzlinderung dar.

Cannabinoide sind nach wie vor nur „off label“ einzusetzen
2017 trat ein neues Gesetz in Kraft, mit dem Cannabinoide (Cannabisblüten, Cannabisextrakte, Dronabinol, Nabilon, Nabiximols) auf Antrag bei den Krankenkassen erstattungsfähig wurden und mittels Betäubungsmittel(BTM)-Rezept verordnet werden können. Es handelt sich weiterhin um einen off-label use, da keine dieser Substanzen in der Indikation „Schmerz“ zugelassen ist. Die Empfehlung der Leitliniengruppe lautet, Cannabinoide zur Therapie neuropathischer Schmerzen nur dann einzusetzen, wenn anderer Schmerztherapien ausgeschöpft wurden, da ihre Wirksamkeit bei hoher Nebenwirkungsrate als eher gering eingestuft wird.

Neues zur Small-Fiber-Neuropathie
Als mögliche Ursache einer idiopathischen Small-Fiber-Neuropathie konnten Mutationen der spannungsgeladenen Natriumkanäle (Nav1.7, Nav1.8 und Nav1.9) sowie TRPA1 gefunden werden. „Diese Erkenntnisse sind wichtig, da sie perspektivisch zur Entwicklung und zum Einsatz zielgerichteter Therapien führen könnten“, erklärt PD Dr. Tanja Schlereth. „Therapeutisch ist die SFN nicht einfach anzugehen, oft bleibt nur eine symptomatische Therapie der Schmerzen – und selbst das gelingt oft nicht zufriedenstellend.“

Die Tatsache, dass eine herkömmliche Schmerzmedikation nicht ausreichend anschlägt, ist allen neuropathischen Schmerzen zu eigen. „Umso wichtiger ist die leitliniengerechte Therapie, um den Patienten, die einen extrem hohen Leidensdruck haben, zu einer bestmöglichen Linderung zu verhelfen“, so die Leitlinienkoordinatorin.

Zur Leitlinie "Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen"

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