27. Januar 2020 – Die S2e-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von exekutiven Dysfunktionen bei neurologischen Erkrankungen“ (AWMF-Registernr. 030/125) steht vollständig überarbeitet online zur Verfügung. Prof. Dr. Sandra Verena Müller, Wolfenbüttel, und Dr. Tilmann Klein, Magdeburg, haben die Arbeit an der Leitlinie koordiniert.

Die vorliegende Leitlinie soll zur Verbreitung des Kenntnisstandes über evidenzbasierte Methoden in der Behandlung exekutiver Defizite beitragen und Entscheidungshilfen bei der Versorgung (Diagnostik, Therapie) von Patienten mit Störungen der Exekutivfunktionen geben.

Die meisten Schwierigkeiten der Patienten mit dysexekutivem Syndrom lassen sich durch Störungen a) des Arbeitsgedächtnisses und Monitorings, b) der kognitiven Flexibilität und Flüssigkeit und c) des planerischen und problemlösenden Denkens beschreiben. Mit Symptomen exekutiver Dysfunktion sind häufig Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten assoziiert.

Neue Therapieansätze

Die Art der Interventionen, die evaluiert werden, hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert. Therapieansätze, die in der Vergangenheit häufig Gegenstand von Studien waren, werden nicht mehr erforscht, andere Ansätze sind hinzugekommen. Interventionen, die in der Vorgängerversion der Leitlinie als wirksam bewertet wurden, können weiter in der klinischen Praxis Verwendung finden.

Im Vordergrund stehen zunehmend Studien zur Impulskontrolle/Selbstregulation und Studien, die Realisierungen von Virtual Reality oder Serious Games benutzen. Außerdem untersuchen mehrere pharmakologische Studien die Wirkung unterschiedlicher Substanzen. Eine größere Gruppe von Forschungsarbeiten evaluierte integrierte Trainingsprogramme zu mehreren kognitiven Funktionsbereichen, von denen ein Bereich die Exekutivfunktionen (EF) waren. Intensiv untersucht wurden Effekte von Arbeitsgedächtnis-Trainingsverfahren, Problemlöseverfahren und Ziel-Management-Trainingsverfahren.

Hinsichtlich der Diagnostik exekutiver Dysfunktionen gibt es wenige Neuerungen. Interessante potenzielle Weiterentwicklungen ergeben sich aber aus der Kombination neurowissenschaftlicher mit klassischen neuropsychologischen Vorgehensweisen sowie aus der fortschreitenden technischen Weiterentwicklung – zum Beispiel im Sinne der virtuellen Realität.
 

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