Frühsommer-Meningoenzephalitis: Leitlinie neu aufgelegt

6. Februar 2020 – Die S1-Leitlinie „Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)“ (AWMF-Registernr. 030/035) steht komplett überarbeitet zur Verfügung. Prof. Dr. Reinhard Kaiser, Pforzheim, hat die Leitlinienarbeit koordiniert. Die FSME ist eine Erkrankung mit einem erhöhten Risiko von Folgeschäden, Invalidität und Tod. Sie ist durch eine Impfung vermeidbar. Diese ist jedoch nur gefährdeten Personen zu empfehlen.

Die Leitlinie informiert über das Infektionsrisiko, den Krankheitsverlauf der FSME, die Diagnostik, die Prognose und die Möglichkeiten einer Erkrankungsvermeidung durch eine Impfung. Sie richtet sich an niedergelassene Allgemeinmediziner, Internisten, Neurologen, Pädiater, Neurologen in Akutkliniken und Rehabilitationseinrichtungen, Gutachter sowie Impfinteressierte.

Die FSME verläuft häufig schwerwiegend: Mehr als einem Drittel der Erkrankten tragen dauerhafte neurologische Schäden davon. Deshalb wird die aktive FSME-Impfung allen Personen nach Vollendung des ersten Lebensjahrs empfohlen, die sich aktuell oder künftig in Risikogebieten aufhalten. Nach kompletter Grundimmunisierung und einer ersten Booster-Impfung kann der Impfschutz bei unter 50-Jährigen bis zu zehn Jahre anhalten. Die Impfung gegen FSME erhöht nicht die Schubrate bei Patienten mit Multipler Sklerose.

Neueren Erkenntnissen zufolge sind nicht nur Kleintiernager wie Mäuse Wirtstiere für die FSME-Viren, sondern unter anderem auch Ziegen, Schafe und Rinder. FSME-Viren können zudem durch eine Organtransplantation von Mensch zu Mensch übertragen werden und zum Tode führen. Immunmodulierende Behandlungen, etwa mit Rituximab, können ebenfalls einen tödlichen Verlauf bedingen.

Als neues FSME-Risikogebiet gilt die gesamte Schweiz mit Ausnahme der beiden Kantone Genf und Tessin. Auch in den Niederlanden wurde 2019 erstmals über dort erworbene FSME-Erkrankungen berichtet. Aufgrund neuerer epidemiologischer Untersuchungen zur Durchseuchung von Zecken mit dem FSME-Virus ist es nicht möglich, das Erkrankungsrisiko an FSME nach Zeckenstich zuverlässig abzuschätzen.

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