Hinweise zum Umgang mit der Corona-Pandemie

Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Pandemie der durch das Coronavirus (SARS-CoV-2) ausgelösten Erkrankung COVID-19 stellt uns alle vor besondere Herausforderungen und Belastungen, egal, ob wir in der Klinik oder Praxis arbeiten.

Entscheidend für unsere Tätigkeit sind stets die allgemeinen Empfehlungen des RKI. Die dort formulierten allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen gilt es konsequent umzusetzen. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Neurologie möchten wir auf einige wichtige Punkte hinweisen.

Teilnehmerzahlen an Konferenzen und Besprechungen müssen auf das Notwendigste reduziert werden. Sicherheitsabstände von idealerweise 2 Metern zwischen den teilnehmenden Personen sind einzuhalten oder die betreffenden Veranstaltungen müssen digital abgehalten oder ganz abgesagt werden. In den meisten Kliniken gibt es vorgesehene COVID-19-Isolier- und Intensivstationen. Die Neurologischen Stationen (Intensivstation und Stroke Unit) kommen für die Beatmung von COVID-19-Patienten nur in besonderen Krisensituationen in Frage. Wie aber erste Zahlen aus China zu zeigen scheinen*, haben 36,.4% der schwer betroffenen COVID-19-Patienten auch neurologische Manifestationen. Da hierbei zerebrovaskuläre Komplikationen  und Bewusstseinsstörungen am häufigsten sind, werden unsere Überwachungskapazitäten ebenso wie unser fachliches Wissen auch durch die Pandemie selbst gefordert sein. Beatmungskapazitäten müssen unbedingt ausgebaut, Pflege und Ärzte ertüchtigt werden. Es ist jetzt schon sinnvoll Dienstpläne zu doppeln, falls Personal ausfällt. Auch Pläne für Normalstationsschließungen und Ressourcen-Umverteilungen sind wichtig. Oberstes Ziel ist es, stets die Notfallversorgung sichern zu können.

Für elektive Patienten sollte grundsätzlich eine individuelle Nutzen-Risiko-Abschätzung das Vorgehen bestimmen. Hat ein Patient voraussichtlich einen unmittelbaren Nutzen von der elektiven (ambulanten oder stationären) Behandlung, sollte ihm diese Behandlung möglichst nicht vorenthalten werden. Bei der aktuell unübersichtlichen Situation müssen andererseits in täglicher Neubewertung der Corona-Situation nicht zwingend erforderliche Termine verschoben werden. Bei ambulanten Patienten sollte am besten telefonisch geklärt werden, welche Direktkontakte unbedingt notwendig sind. Dabei ist es auch sinnvoll vor dem persönlichen Termin nach Symptomen, Kontakten und Risikogebieten zu fragen. Die Möglichkeit von (Video-)Telefonsprechstunden muss in dieser Krisensituation den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt dort, wo es möglich ist, ersetzen.

Wahrscheinlich stehen wir ja noch einige Zeit vor dem Gipfel der Coronavirus-Pandemie und können die Folgeschäden für unsere neurologischen Patienten, die in den nächsten Wochen und Monaten nur verzögert Behandlung erfahren, nur schlecht abschätzen. Umso wichtiger ist die Sektoren-übergreifende Zusammenarbeit in dieser uns alle betreffenden Krisensituation. Wir müssen hier in besonderem Masse zeigen, dass wir als Neurologie zusammen stehen.

Und vor allem: Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße

Prof. Dr. med. Christine Klein                  Prof. Dr. med. Peter Berlit

DGN-Präsidentin                                         DGN-Generalsekretär

*Ling Mao, Mengdie Wang, Shengcai Chen,et al. Neurological Manifestations of Hospitalized Patients with COVID-19 in Wuhan, China: a retrospective case series study. medRxiv preprint doi: https://doi.org/10.1101/2020.02.22.20026500.