Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Schlaganfälle bei Herzpatienten mit Vorhofflimmern verhindert
Schlaganfälle bei Herzpatienten mit Vorhofflimmern verhindert

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

28. April 2009 – Die Kombination der beiden blutgerinnungshemmenden Arzneien Clopidogrel und Acetylsalicylsäure (ASS, „Aspirin“) kann bei Patienten mit einem so genannten Vorhofflimmern Schlaganfälle und Herzinfarkte verhindern. Dies zeigt eine Studie mit mehr als 7500 Patienten, die wegen ihrer Wichtigkeit in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine vorab online veröffentlicht wurde [1] und an der zahlreiche deutsche Ärzte und Wissenschaftler mitgewirkt haben, darunter Prof. Dr. Stefan Hohnloser, Kardiologe vom Klinikum der Johann-Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Das Vorhofflimern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Die Blutgerinnsel, die sich dabei bilden, sind eine der Hauptursachen für Schlaganfälle. Zwar lässt sich dieses Risiko mit bestimmten Medikamenten – den Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcumar) – deutlich verringern. In der Praxis erhält aber nur jeder zweite Patient diese Art der Vorbeugung, weil es ärztliche Bedenken gibt oder weil die Vitamin-K-Antagonisten von den Betroffenen abgelehnt werden. Die einzige Alternative ist dann die wesentlich schwächer wirkende Acetylsalizylsäure (ASS).

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In der jetzt vorgelegten Studie hat man deshalb in 33 Ländern 7554 Patienten mit Vorhofflimmern über durchschnittlich 3,6 Jahre hinweg entweder mit ASS oder mit der Kombination aus ASS und Clopidogrel behandelt und beide Gruppen miteinander verglichen. Es ergab sich, dass die Häufigkeit von Schlaganfällen durch die zusätzliche Gabe von Clopidogrel um 28 Prozent abnahm und dass unter der Kombinationstherapie auch die Gesamtzahl der Herz-Kreisläuf-Schäden („vaskuläre Ereignisse“) um 11 Prozent geringer war als unter alleiniger Therapie mit ASS.

Als Nachteil der Behandlung mit zwei Gerinnungshemmern stellten die Wissenschaftler wie erwartet mehr schwere Blutungen fest. Die Häufigkeit dieser Nebenwirkung lag bei 1,3 Prozent pro Jahr mit ASS und bei 2,0 Prozent, wenn zusätzlich Clopidogrel verschrieben wurde.

„Damit bleiben Vitamin-K-Antagonisten der Goldstandard. Für ausgewählte Patienten mit Vorhofflimmern, die diese Option nicht nutzen können, könnte die Kombination aus Clopidogrel und ASS eine Alternative darstellen um Schlaganfälle zu verhindern. Noch aber ist Clopidogrel für dieses Krankheitsbild nicht zugelassen“, sagt Professor Martin Grond von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.

Eine Kombination von zwei Thrombozytenfunktionshemmern erhöht neben der Effektivität aber immer auch das Blutungsrisiko. Daran erinnert aktuell eine Gruppe US-amerikanischer Neurologen um Michael D. Ezekowitz vom Lankenau Institute for Medical Research in Wynnewood, Pennsylvania, die zu diesem Problem 13 Studien mit annähernd 90.000 Patienten ausgewertet hat [2].

„Die heute verfügbaren Arzneien zur Vorbeugung eines zweiten Schlaganfalls sollten daher umsichtig  genutzt werden und deren Nebenwirkungen sorgfältig  beachtet werden“, so Grond. „Diese Abwägung erfordert umfangreiche Fachkenntnisse. Patienten mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko sollten deshalb unbedingt mit ihrem Neurologen Rücksprache halten.“

Quellen:

[1] Connolly SJ et al. Effect of Clopidogrel Added to Aspirin in Patients with Atrial Fibrillation N Engl J Med 2009; 360.

[2] Usman MH et al. Combination Antiplatelet Therapy for Secondary Stroke Prevention: Enhanced Efficacy or Double Trouble? Am J Cardiol. 2009 Apr 15; 103(8): 1107-12

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. med. Martin Grond
Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Chefarzt der Klinik für Neurologie
Kreisklinikum Siegen
Tel.: 0271-7051800
E-Mail:

Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. 
Prof. Dr. med. Otto Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930, 


Abdruck honorarfrei – Belegexemplar an die Pressestelle erbeten

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