Neurologen warnen vor gefährlicher Therapie bei Multipler Sklerose

17. September 2010 – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie warnt vor sinnlosen und gefährlichen Gefäßeingriffen bei Multiple-Sklerose-Patienten, die derzeit auch in Deutschland gegen privates Honorar angeboten werden. Die Eingriffe beruhen auf einer wissenschaftlich nicht haltbaren Theorie des italienischen Arztes Paolo Zamboni zur Entstehung der Krankheit, kritisieren führende Neurologen. Es seien bereits Todesfälle bekannt geworden. Hintergrund der Kritik ist die so genannte „venöse Stauungshypothese“ der Multiplen Sklerose, die unter Fachleuten und in Patientenforen auch als chronisch cerebrospinale venöse Insuffizienz (CCSVI) heftig diskutiert wird und offenbar immer mehr Anhänger findet. „Nach unserer Meinung gibt es für diese Hypothese keine ausreichenden Beweise, und es gibt erst recht keinen Grund dafür, den vermeintlichen Gefäßstau in einem so genannten Liberation Treatment für mehrere Tausend Euro beseitigen zu wollen“, so MS-Experte Professor Hans-Peter Hartung aus Düsseldorf, der dazu auf der Neurowoche 2010 in Mannheim neue Erkenntnisse präsentieren wird. Die Neurowoche ist mit mehr als 6000 Teilnehmern der größte neuromedizinische Kongress in Europa.

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