„Gemischte Demenz“: Neurologen gehen neue Wege gegen Alzheimer & Co.

21. September 2011 – Heute ist Welt-Alzheimer-Tag. Über neue Strategien bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit und anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diskutieren Ende September mehr als 4000 Ärzte auf dem größten deutschsprachigen Neurologenkongress  in Wiesbaden. „Für die Tagung konnten wir weltweit anerkannte Experten gewinnen, die sich seit langer Zeit intensiv mit der Erforschung dieser Erkrankungen beschäftigen“, freut sich Kongresspräsident Prof. Albert C. Ludolph, ALS-Experte und Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Ulm im Vorfeld der Tagung. Da es bisher keine wirksamen Therapien gibt, müssen erstens neue Behandlungsansätze entwickelt und zweitens die Möglichkeiten der Prävention voll ausgeschöpft werden.

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Viele Experten verfolgen heute das Konzept der „gemischten Demenz“, also die Vorstellung, dass sowohl krankhaft veränderte Blutgefäße als auch Amyloid-Plaques sowie die das Tau-Protein enthaltenden neurofibrillären Bündel an der Entstehung einer Demenz teilhaben. „Diese neue Sichtweise rückt neben der Suche nach einer Therapie die Prävention in den Mittelpunkt“, erklärt Prof. E. Bernd Ringelstein aus Münster.
Immer mehr Menschen leben immer länger. Doch unsere alternde Gesellschaft stellt die medizinische Wissenschaft auch vor große Herausforderungen: Bereits heute leiden etwa 1,3 Millionen Deutsche an einer Demenz – Tendenz stark steigend.
Unter den neurodegenerativen Erkrankungen ist die Alzheimer-Krankheit mit weltweit etwa 18 Millionen Betroffenen am häufigsten. Sie macht dem alternden Menschen am meisten Angst. Während Erkrankte zunächst noch kleine Fehlleistungen des Gedächtnisses als Unaufmerksamkeiten abtun, droht vielen in der Folge der schleichende Zerfall der eigenen Identität. Noch bis vor einigen Jahren machten Ärzte vor allem arteriosklerotisch veränderte Blutgefäße im Gehirn für die nachlassenden kognitiven Leistungen verantwortlich, allgemein als „Verkalkung“ des Gehirns bezeichnet. Als Wissenschaftler dann in den Nervenzellen von Alzheimer-Patienten spezielle Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) vorfanden, glaubte  man, dem Geheimnis der Demenz endgültig auf die Schliche gekommen zu sein.

Lüften Nonnen das Geheimnis der Demenz?

„Eine berühmte Langzeituntersuchung mit amerikanischen Nonnen zwang uns Neurologen, in der Demenzforschung erneut umzudenken“, erklärt Prof. E. Bernd Ringelstein, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster. „Die Ergebnisse zeigten, dass Amyloidablagerungen in den Nervenzellen nicht allein für den Verfall der kognitiven Leistungen verantwortlich sein konnte.“ Viel wahrscheinlicher ist, dass Demenzen multifaktoriell, d.h. durch eine Kombination mehrere Ursachen verursacht sind. Zweifel an der Annahme, Amyloid-Plaques seien die einzige Ursache der Alzheimer-Krankheit, bedeute einen Paradigmenwechsel, so Ringelstein. 

Hochkarätiges Programm auf dem Präsidentensymposium

Das Präsidentensymposium am Donnerstag stellt die Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen in den Mittelpunkt. Internationale Experten diskutieren hier den neuesten Stand Ihrer Forschung zur Rolle der krankhaften Proteinansammlungen bei der Entstehung von Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Teilnehmen wird unter anderen Prof. Colin Masters von der Universität Melbourne, der seit über 30 Jahren die Rolle des Beta-Amyloids bei der Alzheimer-Erkrankung untersucht, sowie Prof. Brad Hyman, der Direktor des Alzheimer´s Disease Research Center am MassGeneral Institute for Neurodegenerative Disease (Harvard Medical School, Boston). Er wird die klinische Bedeutung der vorgestellten Ergebnisse einordnen und sich zu Möglichkeiten der klinischen Therapie und Prävention neurodegenerativer Erkrankungen äußern. 

Hinweis für die Medien

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7300 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin. www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930, E-Mail: 

Ansprechpartner für die Medien: Frank A. Miltner, Tel: +49 (0)89-461486-22, E-Mail: 

Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

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