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Erstaunliche Erkenntnisse über Volkskrankheiten – aus neurologischer Sicht

26. September 2012 – Ein Volk wird älter – und dabei leider nicht gesünder. Nerven-zellen sind die Elemente des menschlichen Körpers, mit denen sich Neurologen besonders gut auskennen. Ziel ist es, das Gehirn und das gesamte Nervensystem bei guter Gesundheit zu halten. Dafür treffen sich vom 26. bis 29. September 2012 etwa 5000 Neurologinnen und Neurologen auf dem 85. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Hamburg. Nur durch Forschung im Team und zusammen mit anderen Fachdisziplinen erhalten wir neue Einblicke in das noch lange nicht erforschte Organ Gehirn und sein komplexes Zusammenspiel mit anderen Systemen des menschlichen Körpers. „Diese Teamarbeit muss forciert werden – denn immer wieder entstehen dadurch unerwartete Einblicke, die Ansätze für neue Therapien darstellen", so Prof. Dr. med. Christian Gerloff, Kongresspräsident und Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik in Hamburg-Eppendorf.

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Nervenzellen haben viele angenehme Eigenschaften. Sie sind die Grundlage unseres Denkens, Fühlens, unserer Kreativität, kurzum aller komplexer Eigenschaften, die uns als Menschen auszeichnen. Nervenzellen haben auch unangenehme Eigenschaften: Sie wachsen nicht nach, sie erholen sich nach Schädigungen kaum und sie neigen dazu, schon deutlich vor Erreichen eines heute üblichen Lebensalters von über 80 Jahren zu „degenerieren" und ihre Funktion einzustellen. Da diese Feststellung für jeden Menschen mit zunehmendem Alter zutrifft, sind „große Volkskrankheiten" in vielen Fällen neurologische Erkrankungen. Typische Beispiele sind Schlaganfall und Demenz.

Beispiel Schlaganfall

Schlaganfall ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen bei Erwachsenen in Industrienationen – Tendenz steigend. Die Zahl der Patienten mit akutem Schlaganfall wird sich bis 2050 etwa verdoppeln. Schon jetzt erleiden in Deutschland jedes Jahr 300.000 Menschen einen Schlaganfall. Das heißt: mindestens ein Schlaganfall alle zwei Minuten. Zusammen mit dem Herzinfarkt ist der Schlaganfall die häufigste Todesursache, häufiger als Krebserkrankungen zum Beispiel. Und – was noch viel entscheidender ist – die Zunahme an Schlaganfällen wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich größer sein als bei Krebserkrankungen. Dank der modernen Schlaganfallmedizin mit über 200 neurologischen Stroke Units in Deutschland überleben mehr als 90 Prozent der Patienten die Akutphase des Schlaganfalls. Etwa 30 Prozent der Patienten versterben allerdings im ersten Jahr nach einem Schlaganfall an den Folgen oder einer zugrunde liegenden schweren Gefäßerkrankung. Mehr als zwei Drittel der überlebenden Schlaganfallopfer tragen Behinderungen davon. So leben in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen aufgrund eines Schlaganfalls – Tendenz steigend. Ist unser Gesundheitssystem auf diese Entwicklung vorbereitet? Was muss getan werden, damit die Zahl der Schlaganfallopfer mit bleibenden Schäden sinkt? Was muss getan werden, damit für Patienten mit Schlaganfall eine angemessene neurologische Versorgung auf hohem fachärztlichem Niveau gewährleistet ist? Dies sind Themen, denen sich die Neurologen widmen werden.

Beispiel Demenz

Eine weitere dramatische Folge des altersbedingten Untergangs von Nervenzellen ist die Demenz. Auch hier ist die Vorhersage erschreckend. Die Zahl demenzkranker Menschen wird sich bis 2050 ebenfalls verdoppeln. Schon jetzt liegt dieser Anteil unter Hochbetagten bei 30 Prozent und mehr. Was sind die Ursachen von Demenzen? Nicht jede Demenz ist eine Alzheimer'sche Erkrankung. So können sich Demenzen auch aufgrund langdauernder Durchblutungsstörungen des Gehirns entwickeln oder sie können eine Folge von fehlgesteuerten Immunprozessen sein. Um die enorme Herausforderung „Demenz" zu lösen, ist das Motto des diesjährigen Kongresses von ganz besonderer Bedeutung. „Grenzen erkunden – neue Wege gehen" – Durch Vernetzung unterschiedlicher Fachrichtungen wie Neurologie, Immunologie und Psychiatrie mag es langfristig gelingen, neue Therapien zu entwickeln. Ein Beispiel wird im Präsidentensymposium vorgestellt. Es geht dabei um eine Gruppe von Krankheiten,  die sich als Psychose oder Demenz bei jungen Menschen präsentieren, aber neuroimmunologische Ursachen hat und auf immunsuppressive Therapien sehr gut ansprechen. Ein anderes Beispiel ist die Idee, den Morbus Alzheimer durch Impfung zu behandeln. Solch komplexe Forschungskonzepte lassen sich nur dann erfolgreich umsetzen, wenn die Vernetzung zwischen den Fachrichtungen optimal ist. Die Patienten profitieren direkt davon, wenn darüber hinaus auch eine möglichst enge Vernetzung zwischen den Versorgungsbereichen erfolgt, also zwischen stationärer und ambulanter Behandlung, zwischen Fachärzten und Hausärzten, zwischen Universitätskliniken und kleineren Krankenhäusern, zwischen Akutversorgung und Rehabilitation.

„Die Neurologie steht vor großen Herausforderungen in den kommenden Dekaden. Meistern werden wir diese – gerade im Hinblick auf die großen Volkskrankheiten – nur im Team", resümiert Professor Gerloff.

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Professor Dr. med. Christian Gerloff
Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel. +49 (0)40-7410 53770
Fax +49 (0)40-7410 56721
E-Mail:

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o albertZWEI media GmbH,
Englmannstraße 2, 81673 München
Tel.: +49 (0)89-461486-22, Fax: +49 (0)89-461486-25
E-Mail:
Pressesprecher: Prof. Dr. Hans-Christoph Diener

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7300 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin. www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930, E-Mail: 

Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

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