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19. September 2013 – Farbenprächtige und eindrucksvolle Bilder des menschlichen Gehirns sollten nicht dazu führen, die Bedeutung bildgebender Verfahren bei der Vorhersage der Alzheimer-Krankheit zu überschätzen, warnt Professor Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Co-Direktor der Klinik für Neurologie der Universität Marburg. „Zwar sind die modernen Verfahren extrem leistungsfähig, sie liefern wertvolle Daten für die Forschung und sind ein wichtiger Bestandteil im diagnostischen Prozess“, so Dodel. „Kritisch wird es allerdings, wenn Ärzte mit diesen Bildern auf Kundenfang gehen, wenn sie mehr versprechen, als sie halten können, und wenn diese Methoden zur Verunsicherung unserer Patienten führen.“

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Magnetresonanztomographie (MRT), Positronenemissionstomographie (PET) und Single-Photon- Emissions-Computertomographie (SPECT) – hinter diesen Zungenbrechern verbergen sich drei Verfahren zur Gewinnung hoch auflösender Bilder des lebendigen Gehirns. Schmerz- und berührungslos kann man damit feinste Strukturen darstellen, neuerdings auch die Menge bestimmter Protein-Ablagerungen, die sich im Verlauf von Jahrzehnten ansammeln und schließlich zur Alzheimer-Krankheit führen können. „Das Für und Wider solch einer frühen Diagnostik und die derzeit zur Verfügung stehenden Ansätze müssen sorgfältig diskutiert werden, bevor sie in die Praxis Einzug halten und als Routineverfahren zum Einsatz kommen“, mahnte Dodel heute auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Dresden.

Statistische Daten mit begrenztem Nutzen für individuelle Patienten

Mit Beunruhigung haben Neurologen zur Kenntnis genommen, dass Privatversicherten und Selbstzahlern teure bildgebende Verfahren angeboten werden, die einen Blick in die Zukunft ermöglichen sollen. Die betreffenden Ärzte können sich dabei auf Studien berufen, in denen
ein Zusammenhang gezeigt wurde zwischen der Anhäufung von für die Alzheimer-Krankheit charakteristischen Proteinfragmenten, dem sogenannten beta-Amyloid (A-beta, Aß), und
der geistigen Leistungsfähigkeit. „Allerdings ermittelten die Studien lediglich statistische Zusammenhänge“, erklärt Dodel. Die seien zwar für die Forschung und die Planung klinischer Studien äußerst wertvoll. „Für eine Vorhersage der Krankheit bei individuellen Patienten sind diese Bilder jedoch nur von begrenztem Nutzen.“

Neurologen beraten auch nach der Diagnose

Während die Früherkennung noch nicht zu empfehlen ist, kann die Diagnose der Alzheimer- Krankheit heute mit großer Genauigkeit gestellt werden. Neben gezielten Fragen, Blut- und Gedächtnistests kommen dabei in der Regel auch bildgebende Verfahren zum Einsatz, sodass die Krankheit mit fast 90-prozentiger Sicherheit erkannt werden kann. Neurologen sind auch am besten vertraut mit den verfügbaren Medikamenten. Sie können Alzheimer damit zwar nicht heilen. In vielen Fällen gelingt es jedoch, die Krankheit zu verzögern und die Symptome zu lindern. Außerdem sind Neurologen auch die idealen Ansprechpartner für die Betreuung durch die Angehörigen und für pflegerische Maßnahmen. Solch eine engmaschige Unterstützung können Radiologen nicht leisten und sie sind auch bei sogenannten Gesundheitszentren nicht im Angebot. „Wer glaubt, bei sich erste Anzeichen von Alzheimer festzustellen, sollte sich deshalb in die Hände eines in der Diagnostik und Therapie erfahrenen Neurologen oder Psychiaters begeben“, rät Dodel. „Selbst wenn die Befürchtung sich bestätigen sollte oder eine hohe Wahrscheinlichkeit festgestellt wird, in Zukunft zu erkranken, ist man hier besser aufgehoben als bei Anbietern, die nur Schnappschüsse im Vorfeld der Krankheit schießen können.“

Quellen:


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Prof. Dr. med. Richard Dodel
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Klinik für Neurologie
Baldingerstraße, 35043 Marburg
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