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19. September 2013 – Erst Mitte August hat die amerikanische Sängerin und Epilepsie-Patientin Kelly Osbourne unter großer PR-Begleitung in Frankfurt ihre Krankheit mit Stammzellen behandeln lassen. Was sie wahrscheinlich nicht wusste: Entgegen der Marketingbotschaften von internationalen Privatkliniken und Praxen gibt es noch keine Stammzellen‐Therapie gegen neurologische Erkrankungen. Patienten mit beispielsweise der Parkinson’schen Erkrankung zahlten in den vergangenen Jahren in privaten Kliniken auch in Deutschland zwischen 6000 und 30.000 Euro für eine Behandlung mit ihren eigenen Knochenmarkszellen. Eine Nachuntersuchung dieser Patienten hat allerdings gezeigt, dass den Erkrankten mit dieser Prozedur nicht geholfen werden konnte.

Pressemitteilung zum Download

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) warnt Patienten anlässlich ihres 86. Jahreskongresses vom 18. bis 21. September 2013 in Dresden gemeinsam mit der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) vor teuren und ungeprüften Stammzellen‐Therapien bei neurologischen Erkrankungen. „Auch wenn aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen ein großes Zukunftspotenzial von Stammzellen in der Entwicklung neuer Therapien für neurologische Erkrankungen aufzeigen, ist noch von einer Anwendung am Menschen außerhalb von klinischen Studien dringend abzuraten“, erläutert Professor Alexander Storch von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Die meisten klinischen Untersuchungen mussten abgebrochen werden oder haben bisher keine klinische Wirksamkeit gezeigt.
Nachdem im Jahr 2011 – auch durch die intensiven Bemühungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) – ein Behandlungsende für eine in Deutschland tätige Privatklinik erreicht werden konnte, traten neue Privatkliniken und Praxen im Ausland wie im Inland auf und werben erneut für verschiedene Formen der Stammzellen-Therapie gegen eine Vielzahl von neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson, Demenz oder Amyotrophe Lateralsklerose. Derzeit liegen keine klinisch-wissenschaftlichen Daten vor, die eine Anwendung von Stammzellen – unabhängig welcher Art – außerhalb von klinischen Studien rechtfertigen.

In der klinischen Forschungen liegt die Hoffnung – nicht in teuren Privatbehandlungen

Die International Society for Stem Cell Research (ISSCR) hat in Zusammenarbeit mit Stammzellforschern, klinischen Ärzten, Ethikern und Beamten von Aufsichtsbehörden aus
13 Ländern Standards für die Anwendung von Stammzellen am Menschen innerhalb und außerhalb von klinischen Studien entwickelt. Diese Standards enthalten auch die Verurteilung von unerprobten Behandlungen mit Stammzellen oder deren Derivaten außerhalb von klinischen Studien. Professor Storch stellt klar: „Zusammen mit unseren ausländischen Kollegen werden wir weiterhin mit Nachdruck darauf hinwirken, diese international verbindlichen Standards auch in Deutschland einzuhalten.“
Den klinischen Anwendungen von ungeprüften Stammzellpräparaten steht das enorme Potenzial dieser Zellen für die Forschung und Therapie in der Neurologie gegenüber. Das Potenzial von Stammzellen liegt nicht allein in der direkten Anwendung als Zell- oder Gewebeersatz, sondern auch als krankheitsspezifische Modellsysteme zur Erforschung neurologischer Erkrankungen und möglicher neuer Therapien. Durch die Entwicklung patientenspezifischer Stammzellsysteme sei in jüngerer Zeit auch die Tür zur personalisierten Neurologie geöffnet worden, so Professor Storch.
Die Bedeutung dieser rasanten Entwicklungen wird dadurch unterstrichen, dass Stammzellen-Anwendungen das Thema mehrerer Sitzungen während der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Dresden sind und sogar Eingang in die Fortbildungsakademie der DGN gefunden haben. „Diese Forschungsaktivitäten und die kritische Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen, regulatorischen und ethischen Aspekten der Stammzellanwendung macht die zukünftige Anwendung von Stammzellen in der Neurologie überhaupt erst möglich“, schließt Professor Storch.

Quellen:


Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. med. Alexander Storch
Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Neurologie
Klinikum Carl Gustav Carus, Fetscherstr. 74, 01307 Dresden
Tel.: +49 (0)351 458 25 32, E‐Mail: ‐dresden.de

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Englmannstr. 2, 81673 München, E‐Mail: , Tel: +49 (0) 89 46 14 86 22
Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans‐Christoph Diener, Essen

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Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen