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20. September 2013 – Unter den etwa drei Milliarden Bausteinen der menschlichen Erbsubstanz haben Wissenschaftler zwölf Regionen entdeckt, welche die Wahrscheinlichkeit für einen Migräneanfall beeinflussen. „Diese Arbeit ist ein wichtiger Fortschritt hin zu einem besseren Verständnis dieser Krankheit, unter der etwa 14 Prozent aller Erwachsenen leiden“, so Professor Dr. Martin Dichgans von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Dichgans ist Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität München und war mit seiner Arbeitsgruppe maßgeblich an der Entdeckung beteiligt.

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Für die Untersuchung, die Dichgans und sein Mitarbeiter Dr. Tobias Freilinger mit anderen Kollegen des International Headache Genetics Consortium unlängst in dem Fachblatt Nature Genetics veröffentlich haben, wurden 29 separate Studien zu genetischen Variationen des menschlichen Erbguts (sog. Genomweite Assoziationsstudien, GWAS) zusammengeführt. Exakt 23.285 Menschen mit Migräne hatten die Forscher dabei 95.425 gesunden Personen gegenübergestellt. „Bei Krankheiten wie der Migräne, aber auch der Epilepsie, sind solche Assoziationsstudien besonders effektiv“, erklärt Dichgans: Die Patienten sind nämlich nur während ihrer Anfälle auffällig. Anders als beispielsweise bei Diabetikern ist es in den überwiegenden, langen Zeiträumen zwischen den Anfällen extrem schwierig, biochemische Hinweise auf das Krankheitsgeschehen zu bekommen.

Mögliche Unterschiede im Erbgut zwischen Migränepatienten und Gesunden sollten dagegen andauernd präsent sein. Tatsächlich ergab die Suche, dass bestimmte Variationen im Erbgut zwischen den beiden Studiengruppen ungleich verteilt waren: Identifiziert wurden 142 Single-Nucleotide-Polymorphisms (SNPs), also Positionen im Erbgut, bei denen sich die Studienpopulationen im Typ der dort liegenden Erbgutbausteine signifikant unterschieden. Diese SNPs verteilten sich auf zwölf Regionen. Acht dieser Regionen liegen nahe bei oder überlappen sich mit Genen, die bei der Kontrolle von Nervenschaltkreisen eine Rolle spielen. Zwei weitere Regionen enthalten Erbgutabschnitte, von denen man weiß, dass dort bestimmte „Wartungsfunktionen“ zum Erhalt von gesundem Hirngewebe lokalisiert sind.

Meta-Studie mit mehr als 100.000 Teilnehmern

Unter der Federführung von Dichgans, Freilinger und Dr. Rainer Malik (ebenfalls ISD) hatte das gleiche Konsortium bereits im Vorjahr etwa 5000 Patienten und 7000 Kontrollpersonen untersucht und dabei vier neue genetische Risikofaktoren für die Migräne ohne Aura aufgedeckt. „Aber erst durch die Genanalyse bei einer noch viel größeren Zahl von Personen konnten wir zusammen mit unseren Kollegen weitere Kandidaten aus der Masse der Daten herausrechnen“, erläutert Freilinger.

Fünf der zwölf gefundenen verdächtigen Regionen waren der Wissenschaft bislang unbekannt. Zwei davon liegen auf dem Chromosom 1, die anderen auf den Chromosomen 6, 7 und 8. Sieben Genorte, die bereits in früheren Untersuchungen aufgefallen waren, konnte das Konsortium mit seiner neuen Arbeit bestätigen. Zusätzlich fanden die Wissenschaftler 1168 SNPs in 134 Regionen, die möglicherweise ebenfalls die Anfälligkeit für Migräne beeinflussen, jedoch ist hier die Aussagekraft der Daten begrenzt. Weitere Studien, um diese Daten zu erhärten, sind bereits im Gang. „Die Zusammenarbeit zwischen Klinikern und Grundlagenforschern und die gemeinsame Nutzung der Datenbanken sind vorbildlich“, freut sich Dichgans. „Langsam, aber sicher kommen wir den biologischen Wurzeln der Migräne auf die Spur – und davon werden unsere Patienten letztlich am meisten profitieren.“

Quellen:


Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Professor Dr. Martin Dichgans
Direktor, Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung
Klinikum der Universität München
Marchioninistr. 15
81377 München
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E-Mail:

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Frank A. Miltner
c/o albertZWEI media GmbH
Englmannstr. 2, 81673 München
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