Alzheimertherapie

20. September 2013 – Obwohl die Erforschung der Alzheimer-Krankheit in den vergangenen 20 Jahren große Fortschritte erlebt hat, haben sich die Hoffnungen auf neue Therapien bislang nicht erfüllt. „Noch stehen lediglich symptomatische Behandlungsansätze zur Verfügung“, räumt Professor Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ein. Dennoch ist der Co-Direktor der Klinik für Neurologie der Universität Marburg optimistisch: „Die Verunsicherung von klinischen Forschern und forschender Industrie ist verständlich, aber sie wird nicht von Dauer sein. Auch Fehler können nützlich sein, wenn man daraus lernt.“ Welche Lehren Wissenschaftler und Ärzte aus den bisherigen Fehlschlägen ziehen können und welche Möglichkeiten es gibt, Patienten und Angehörige zu entlasten, sind einige der zahlreichen Themen, die in Dresden auf dem 86. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie diskutiert werden.

Pressemitteilung zum Download

Die Demenz vom Alzheimer-Typ gehört zu den am intensivsten beforschten Krankheiten der letzten Dekaden, dennoch stehen bisher nur symptomatische Therapieansätze zur Verfügung. In den Jahren 2012 und 2013 wurden einige große Studien beendet, in denen man neue Ansätze getestet hat und die unter den Experten als besonders wichtig gehandelt wurden. Teilweise war dabei sogar vom Judgement Day die Rede – vom Tag des Jüngsten Gerichts für die Alzheimer-Therapie also.

Attacke gegen Eiweißfragmente

Die neuen Therapieansätze basieren zum Beispiel darauf, dass sie die Entstehung bestimmter Eiweißfragmente (Amyloid beta, Aß) verringern sollten, die nach Ansicht der meisten Forscher eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielen. Oder man versuchte, mit den unterschiedlichsten Ansätzen, eine Immunisierung des Körpers gegen Aß zu erreichen, in der Hoffnung, dass der Abbau dieser Fragmente die Krankheitszeichen bessern würde. Auch spezifische Varianten eines weiteren Eiweißes (phosphoryliertes Tau) wurden angegriffen, dem viele Forscher zumindest eine „Mitschuld“ an der Entstehung der Alzheimer-Demenz geben. Jedoch scheiterten die Studien an dem wichtigsten aller Testkriterien: Die neuen Ansätze konnten das Denkvermögen und das Gedächtnis der Teilnehmer nicht eindeutig verbessern.

Unter den Forschern hat dies zur Verunsicherung geführt. „Diskutiert wird nun, dass die den meisten Ansätzen zugrunde liegende Amyloid-Hypothese falsch sein könnte“, erläutert Dodel. „Mindestens so wahrscheinlich ist es aber, dass die Patienten zu spät behandelt werden.“ Durch Autopsien der Gehirne Verstorbener wissen die Forscher schon lange, dass die Ansammlung von Aß sich über Jahrzehnte erstreckt. Neuerdings gibt es auch bildgebende Verfahren, die diesen Prozess bei offenkundig gesunden Menschen am lebenden Gehirn sichtbar machen.

Erfolgsrezept: Die Spielregeln der Wissenschaft beachten und nicht aufgeben

Wichtig sei es, dass man diese Diskussionen offen führe, alle möglichen Erklärungen miteinbeziehe und die konkurrierenden Ideen nach den Vorgaben der Wissenschaft überprüfe, betont Dodel und erinnert an Thomas Alva Edison, der mit seinen Arbeiten Glühbirnen und elektrisches Licht ermöglicht hat: „Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben. Der sichere Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen.“

Quellen:

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. med. Richard Dodel
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Klinik für Neurologie
Baldingerstraße, 35043 Marburg
Tel.: +49 (0)6421 586 62 51, Fax.: +49 (0)6421 586 54 74
E-Mail:


Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Frank A. Miltner
c/o albertZWEI media GmbH
Englmannstr. 2, 81673 München
E-Mail:
Tel: +49 (0)89 46 14 86 22
Pressesprecher der DGN
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist seit 2008 die Bundeshauptstadt Berlin.
www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang H. Oertel
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0) 30 531437930, E-Mail: 

Ansprechpartner für die Medien 
Frank A. Miltner, Tel.: +49 (0) 89 461486-22, E-Mail: 

Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Wir nutzen Cookies, um die Zugriffe auf unserer Webseite zu analysieren. Sie können dem jederzeit widersprechen. Weitere Hinweise und die Möglichkeit zum Opt-out finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung Verstanden