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Studie: unklare Schlaganfälle oft durch Embolie verursacht – neue Optionen für die Sekundärprävention

Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)

07. Mai 2014Bei jedem vierten ischämischen Schlaganfall bleibt die Ursache im Dunkeln – das sind allein in Europa und Nordamerika jährlich 300.000 Patienten. Eine internationale Arbeitsgruppe kommt zu dem Schluss, dass vielen dieser kryptogenen Schlaganfälle eine Embolie als Ursache zugrunde liegt und diese Patienten daher in einer eigenen Krankheitsgruppe zusammengefasst werden sollten. „Diese Arbeitsgruppe hat eine hilfreiche operationale Definition des Krankheitsbildes geschaffen. Auf dieser Basis können nun neue Konzepte einer Sekundärprävention sinnvoll evaluiert werden“, kommentiert Prof. Dr. med. Martin Grond, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Studie. Er begrüßt auch die Forderung der Arbeitsgruppe nach randomisierten Präventionsstudien mit neuen oralen Antikoagulanzien (NOAC).

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Trotz der zahlreichen Patienten mit ischämischem Schlaganfall unbekannter Ursache gab es für diese Patientengruppe in der Sekundärprävention seit zwei Jahrzehnten keine signifikanten Fortschritte. Die „Internationale Arbeitsgruppe Kryptogener Schlaganfall/ESUS“ hat sich deshalb intensiv mit neuen Erkenntnissen zur Pathophysiologie sowie mit der Evidenz der bildgebenden Diagnostik auseinandergesetzt. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass bei den meisten dieser Schlaganfälle ein embolischer Mechanismus vorliegt. Dies eröffnet neue Optionen der Sekundärprävention“, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Mitglied der Arbeitsgruppe und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Womöglich sind bei diesem Patientenkreis NOACs effektiver als Thrombozytenfunktionshemmer bei Patienten mit arteriell bedingten Embolien. Der nächste Schritt sollte deshalb eine Vergleichsstudie sein, bei der ESUS-Patienten auf die beiden Wirkstoffklassen randomisiert werden, fordert die Arbeitsgruppe.

ESUS – positive Diagnose ersetzt vages Konstrukt

Die Experten schlagen für die Untergruppe der kryptogenen Schlaganfälle mit embolischem Ursprung den Terminus ESUS vor, die Abkürzung von Embolic Stroke of Undetermined Source. Dieses positiv definierte Konstrukt sei in der Klinik nützlicher als die vage und negativ definierte Einheit des kryptogenen Schlaganfalls, argumentieren Diener und Kollegen in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology. Dazu muss bei diesen Patienten eine ausreichende diagnostische Abklärung erfolgen, um kardiale Embolien mit hohem Risiko sowie eine fortgeschrittene Arteriosklerose der kleinen (Mikroangiopathie) oder großen (Makroangiopathie) hirnversorgenden Gefäße als Schlaganfallursache auszuschließen.

In einer aktuellen Studie mit 274 konsekutiven Patienten einer Schlaganfall-Einheit hätten 32 Prozent der Teilnehmer die ESUS-Kriterien erfüllt, berichten Diener und Kollegen. Andere Untersuchungen, bei denen die notwendigen Diagnosen zur Sicherung eines ESUS vorgenommen wurden, ergaben als Patientenprofil ein durchschnittliches Alter von etwa 70 Jahren, darunter 55 Prozent Männer. 66 Prozent der Patienten litten unter Bluthochdruck, 35 Prozent unter Diabetes mellitus und 30 Prozent hatten bereits einen Schlaganfall erlitten.

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