Thrombolyse auch später als drei Stunden nach einem Schlaganfall erfolgreich

Wichtigste Studie der vergangenen 12 Jahre bei der Behandlung akuter Schlaganfälle in Wien vorgestellt

30. September 2008 – Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland nach Herzinfarkt und Krebserkrankungen sowie die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung. Die wichtigste wissenschaftlich bewiesene und zugelassene Behandlung akuter Schlaganfälle ist die systemische Thrombolyse: Der intravenös verabreichte Wirkstoff Alteplase kann bei Patienten mit akuten Durchblutungsstörungen das Blutgerinnsel im Gehirn auflösen. Diese Therapie wird seit mehr als zehn Jahren auf den über 200 Schlaganfall-Spezialstationen (Stroke Units) in Deutschland eingesetzt. Bislang konnte man diese Therapie nur bis zu drei Stunden nach einem Schlaganfall verabreichen, weil für die Zeit danach keine Studien zur Verfügung standen. Man wusste nur, dass bei längerer Anwendung die Gefahr von Hirnblutungen durch Wiedereröffnung des Gefäßes steigt oder bereits soviel Gewebe durch Sauerstoffarmut zerstört ist, dass eine Wiedereröffnung keinen Sinn mehr macht.

Unter der Federführung von Prof. Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Heidelberg, wurden am vergangenen Wochenende auf dem Weltschlaganfall-Kongress in Wien und gleichzeitig im New England Journal of Medicine die Ergebnisse der European Cooperative Akute Stroke Study (ECASS 3) vorgestellt, bei der Alteplase auch zwischen 3 und 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall eingesetzt wurden. 52% der Patienten, die mit Alteplase behandelt worden waren, hatten einen guten Behandlungserfolg und trugen keine oder nur geringfügige Behinderungen davon. Dies war in der Placebo-Gruppe nur bei 45% der Patienten der Fall. Todesfälle nach 3 Monaten traten in beiden Studien-Armen gleich häufig auf (8%). An dieser Studie nahmen 826 Patienten teil.

„Diese Arbeit ist die erste wichtige Studie zur Behandlung des akuten Schlaganfalls in den vergangenen 12 Jahren“, kommentiert Prof. Dr. Hans Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Sie erweitert damit das Zeitfenster für eine systemische Thrombolyse und ermöglicht, dass mehr Patienten als bisher von dieser Behandlung profitieren.

Quelle:

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Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN),
Direktor der Universitätsklinik für Neurologie der Universität Duisburg-Essen,
E-Mail: 

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Dipl.-Psych. Werner Hacke
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik,
Ruprecht-Karls-Universität
Im Neuenheimer Feld 400, D-69120 Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221-568210
E-Mail: 

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Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

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