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Schlaganfall-Experten fordern höchste Qualitätsstandards und ausgewiesenes Fachwissen bei der Therapie schwerer Schlaganfälle

26. August 2015 – Schlaganfall-Experten von vier Fachgesellschaften und einem Berufsverband begrüßen die neue Therapie der „mechanischen Thrombektomie (MTE)“ bei schweren Schlaganfällen als dringend benötigte Ergänzung des Therapieangebotes. Sie betonen jedoch, dass die endovaskuläre Therapie besondere Anforderungen an die behandelnden Ärzte und die Ausstattung der Kliniken stelle.

Die Experten fordern, dass die neue Methode ausschließlich in den von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zertifizierten Stroke Units (SU) und von zertifizierten Neuroradiologen und Radiologen durchgeführt werden sollte.

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Wenn bei einem Schlaganfall ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn blockiert, versuchen Ärzte zunächst, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen. Professor Dr. med. Gerhard F. Hamann, 1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) erläutert: „Dieses als Thrombolyse bekannte Verfahren funktioniert bei etwa 12 bis 15 Prozent der Patienten gut. Bei sehr großen Blutpfropfen, in deren Folge Patienten schwere Behinderungen zurück behalten können, gelingt das Auflösen mit dem Enzym häufig jedoch nicht, da der Blutpfropfen zu groß ist.“ Hier hat sich eine neue Behandlungsmethode bewährt: die mechanische Thrombektomie (MTE), bei der ein Neuroradiologe oder Radiologe das Gerinnsel mit einem Katheter aus dem verstopften Gefäß zieht. „Die Wirksamkeit der neuen Therapie wurde durch aktuelle Studien jüngst belegt“, erklärt Hamann, Direktor der Klinik für Neurologie und Neurologische Rehabilitation am Bezirkskrankenhaus Günzburg.

„Die Schlaganfallversorgung in Deutschland ist qualitativ sehr hoch“, weiß Professor Dr. med. Ralf Gold, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Direktor der Neurologischen Klinik am St. Josef Hospital in Bochum. Wichtig sei, dass die Patienten rechtzeitig in eine auf die Schlaganfallbehandlung spezialisierte Stroke Unit gelangen. „Dafür steht ein Netz von bundesweit derzeit 276 zertifizierten Stroke Units (SU) zu Verfügung“, ergänzt Gold. 107 von ihnen sind überregionale SU, die technisch und personell noch besser ausgestattet sind und die weiteren 159 regionalen SU bei der Behandlung unterstützen.

„Wir müssen künftig dafür sorgen, dass auch die MTE flächendeckend und rund um die Uhr für Patienten zu Verfügung steht“, sagt Professor Dr. med. Christoph Groden, Neuroradiologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR). Er betont jedoch, dass dies nicht zu Lasten der Qualität gehen dürfe. „Die mechanische Thrombektomie sollte nur in Kliniken mit zertifizierter SU und von zertifizierten Neuroradiologen und Radiologen durchgeführt werden.“ Prof. Dr. med. Dierk Vorwerk, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft und Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie des Klinikums Ingolstadt erläutert: „Zusammen mit der DGNR bilden wir seit etwa sieben Jahren Radiologen und Neuroradiologen in interventioneller Radiologie über ein strukturiertes, modulares Fortbildungskonzept aus. Nach Absolvierung von umfangreichen Kursen und praktischen Fortbildungsveranstaltungen kann die DeGIR/DGNR-Zertifizierung erworben werden.“ Professor Dr. med. Ansgar Berlis, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Neuroradiologen (BDNR) ergänzt: „Die Kombination aus Zertifizierung der Behandlungseinrichtung und desjenigen, der die schwierigen Interventionen durchführt, garantiert die hohe Qualität, die ein solch hochkomplexer Eingriff erfordert.“ 

In Deutschland können derzeit alle zertifizierten überregionalen Stroke Units die MTE anbieten. Sie bringen alle technischen und personellen Voraussetzungen mit – inklusive zertifizierter Neuroradiologen und Rund-um-die-Uhr-Versorgung. „Die regionalen Stroke Units, die nicht 24 Stunden lang die MTE anbieten können, sollten mit den überregionalen SU kooperieren und entsprechende Regelungen treffen“, ergänzt Professor Hamann. Die jüngst etablierten Neurovaskulären Netzwerke (NVN) seien schon heute für diese Herausforderung gerüstet. 

Die Experten der vier Gesellschaften und des Berufsverbandes sind sich einig: Die endovaskuläre Therapie des Schlaganfall mit einer mechanischen Thrombektomie (MTE) erfordert eine große medizinische Expertise, gehört in die Hände zertifizierter Spezialisten und sollte ausschließlich in Kliniken mit zertifizierten Stroke Units durchgeführt werden.

Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), dem Berufsverband Deutscher Neuroradiologen (BDNR) und der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR).

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Fachlicher Kontakt bei Rückfragen

Prof. Dr. med. Gerhard F. Hamann
1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Direktor der Klinik für Neurologie und Neurologische Rehabilitation am Bezirkskrankenhaus Günzburg
Tel.: +49 8221 96 2282
E-Mail:

Prof. Dr. med. Ralf Gold
1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Direktor der Neurologischen Klinik am St. Josef Hospital Bochum
Tel.: +49 234 509 2411
E-Mail:

Prof. Dr. med. Christoph Groden
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Direktor der Abteilung für Neuroradiologie Universitätsklinikum Mannheim
Tel.: +49 621 383 2443
E-Mail:

Prof. Dr. med. Ansgar Berlis
Präsident des Berufsverbandes Deutscher Neuroradiologen (BDNR),
Chefarzt der Klinik für Neuroradiologie, Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, Klinikum Augsburg
Tel.: +49 821 400 2468
E-Mail:

Prof. Dr. med. Dierk Vorwerk
Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG)
Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie des Klinikums Ingolstadt
Tel.: +49 841 880 28 00
E-Mail:

Pressestelle der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

Tel.: +49 711 8931 380
Fax: +49 711 8931 167
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Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Tel.: +49 89 46148622
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Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR)
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