Dr. Jürgen Broschart (c) privat
Wege zurück ins Leben – die Sieger des Deutschen Journalistenpreises Neurologie stehen fest

15. September 2015 – Ein Journalist leidet unter der Parkinson-Erkrankung – und dokumentiert für die Leser seine eigene Gehirn-OP, mit der er sich einen „Hirnschrittmacher“ implantieren lässt. Ein fünfköpfiges Autorenteam geht den Schicksalen von Wachkoma-Patienten nach und zeigt, wie sich Patienten und ihre Familien ins Leben zurückkämpfen. 

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Emotional bewegend und dennoch sachlich, kreativ und dennoch seriös – mit diesen Attributen haben sich zwei herausragende journalistische Werke beim Deutschen Journalistenpreis Neurologie 2015 durchgesetzt.

Die Beiträge wurden aus 60 Bewerbungen von einem siebenköpfigen Jurorenteam aus Journalisten und Neurologen ausgewählt. Sieger in der Kategorie „Wort“ ist das Autorenduo Dr. Jürgen Broschart und Johanna Romberg mit ihrem Beitrag „Das geplante Wunder“ in GEO. In der Kategorie elektronische Medien setzte sich das Autorenteam Ilka aus der Mark, Tanja Winkler, Kristin Raabe, Katrin Krieft und Georg Wieghaus durch. Sie produzierten für das WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks & Co“ die 44-minütige Sendung „Ich bin doch noch da – Leben im Wachkoma“. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der feierlichen Eröffnungsveranstaltung des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) am 24. September 2015, ab 10.30 Uhr, im CCD Congress Center Düsseldorf.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat den Journalistenpreis zum achten Mal ausgeschrieben – mit 60 Einsendungen ist sowohl quantitativ als auch in der Anzahl qualitativ hochwertiger Beiträge ein neuer Höchststand erreicht. „Leider können nur zwei Beiträge prämiert werden, obwohl den Preis auch andere verdient hätten. Es ist beeindruckend, dass trotz sinkender Budgets in den Redaktionen so viele Journalisten in Deutschland immer noch so hervorragende Arbeiten hervorbringen“, sagt Jurymitglied Professor Ralf Gold, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Der Preis ist mit insgesamt 5000 Euro dotiert.

Anderen Patienten Mut machen, sich für die Parkinson-Operation zu entscheiden

GEO-Redakteur Jürgen Broschart war 50, als er seine Parkinson-Diagnose erhielt. Damit gehört er zu der geringen Prozentzahl von jungen Parkinson-Erkrankten. Die meisten erhalten ihre Erstdiagnose jenseits der 65. Seine Krankengeschichte verläuft dennoch typisch: Anfänglich wirkt das Arzneimittel Dopamin, er kann weitgehend normal leben. Doch diese trügerische Honeymoon-Phase hält nur wenige Jahre. Als die Wirkung der Arznei nachlässt, fühlt er sich irgendwann „wie ein Zombie“.

Seine Krankheit schreitet voran, während er mehr und mehr erstarrt: Das ständige Zittern macht vieles äußerst mühsam oder unmöglich, der Körper wird schwächer, er wird launisch und er kann seinem Beruf als Redakteur nur noch eingeschränkt nachgehen. Dann plant er sein Wunder: Er entschließt sich zu einem operativen Eingriff im Gehirn, der Tiefen Hirnstimulation (THS), bei vollem Bewusstsein. Hamburger Gehirnchirurgen implantieren ihm zwei acht Zentimeter lange Elektroden in die beiden subthalamischen Kerne seines Gehirns. Sie sollen mit elektrischen Impulsen „die Nervensignale in meinem Kopf, die zurzeit wild durcheinanderfeuern“ wieder ordnen. Der Eingriff der Hamburger Neurochirurgen gelingt. Heute fühlt Broschart sich „15 Jahre jünger“, wie er im Juni in GEO schreibt. Den Eingriff dokumentiert Broschart mit seinen persönlichen Empfindungen. Bei der Operation begleiten ihn der Fotograf Ronald Frommann und seine Kollegin Johanna Romberg, die mit professioneller journalistischer Distanz über den Eingriff berichtet. Nicht nur die Operation verläuft erfolgreich, dieser außergewöhnliche Beitrag aus zwei verschiedenen Perspektiven beeindruckte auch die Jury und setzte sich in der Kategorie „Wort“ unter 31 Bewerbern durch. „Ich freue mich, dass der DGN-Preis unserem Artikel noch mehr Öffentlichkeit verschafft. Und dass damit hoffentlich viele weitere Patienten Mut fassen, sich einer solchen, Parkinson-OP zu unterziehen“, so Broschart.

Bist du noch da? Wie Ärzte Wachkoma-Patienten behandeln und wie Familien mit dem Schicksal umgehen

Was ist eigentlich ein Wachkoma? Wie empfinden die bis zu 10.000 Menschen, die in Deutschland im Wachkoma liegen? Haben sie vielleicht doch noch Reste von Bewusstsein? Je nachdem, welche Diagnose gestellt wird, hat das große Konsequenzen für die Therapie, die Prognose des Patienten und damit für die Angehörigen. Quarks & Co erzählte im vergangenen November die bewegenden Geschichten zweier Koma-Patienten, die sich offensichtlich wieder ins Leben zurückkämpfen, und zeigt den aktuellen Stand der Koma-Forschung. Die monothematische Sendung „Ich bin doch noch da – Leben im Wachkoma“ konnte damit die meisten Stimmen der Jury auf sich vereinen. Das fünfköpfige Team, bestehend aus Tanja Winkler, Ilka aus der Mark, Katrin Krieft, Kristin Raabe und Georg Wieghaus, zeigt einen hohen Grad an Empathie für die Patienten und Angehörigen – berichten dennoch didaktisch geschickt, sachlich, gesellschaftskritisch und wissenschaftlich korrekt. Die Autoren entwickelten durch gekonntes Storytelling fesselnde Geschichten von Johannes und Stefan, die sehr unterschiedlich verlaufen. Die Sendung zeigt auf faszinierende Weise, wie Neurologen den Grad von Bewusstsein feststellen, etwa indem sie mittels EEG ermitteln, ob die Wachkoma-Patienten logische von unlogischen Sätzen unterscheiden können. Das Gesamtkonzept sowie die Qualität der gesamten Sendung haben in der Summe den Ausschlag gegeben, dass sich die Jury für die Prämierung dieses Beitrags mit dem Deutschen Journalistenpreis Neurologie entschieden hat.

Die Journalisten berichten, dass sie vom Schicksal der beiden Wachkoma-Patienten und ihrer Familien sehr bewegt waren und dass sie deren Geschichte nicht mehr losgelassen hat. Daher haben sie die beiden nochmal besucht. Am 20. Oktober zeigt der WDR, wie ihre Geschichte weitergeht. Der Beitrag kann in der WDR-Mediathek abgerufen werden.

Hinweis Pressekonferenz: Der Journalistenpreisträger und GEO-Redakteur Dr. Jürgen Broschart wird auf der Pressekonferenz am 23.09.2015, 10.00 Uhr, im CCD Congress Center Düsseldorf von seiner Parkinson-Operation berichten und den Forscher Dr. Andreas Horn aus Berlin über Fortschritte in der Parkinson-Therapie befragen. Journalisten können sich auf www.dgnkongress.org/presse kostenlos für einen Kongressbesuch akkreditieren.

Die Preisvergabe findet am 24.09.2015, ab 10.30 Uhr bei der feierlichen Eröffnungsveranstaltung des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im CCD Congress Center Düsseldorf statt. Medienvertreter sind dazu eingeladen und willkommen.


Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Frank Miltner
c/o albertZWEI media GmbH
Englmannstr. 2
81673 München
E-Mail:
Tel: +49 (0) 89 46148622
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen



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