Sterben erleben, Sterben erkennen – beeindruckender Journalismus über das Ende des Lebens prämiert

9. August 2017 – Was empfinden wir, wenn wir sterben? Der Reporter Roland Schulz findet Worte für das Unbeschreibliche. Er versetzt seine Leser in die letzten Momente vor dem Tod, wenn die Organe versagen und der Geist eintrübt, bevor die Aktivität im Gehirn endgültig verlischt. Der Fernsehjournalist Patrick Hünerfeld begleitet Schwerstkranke, Sterbende und Ärzte durch alle Phasen der Organspende. Dabei zeigt er in seiner Dokumentation zum ersten Mal mit der Kamera, wie Neurologen bei der Diagnostik des „Hirntods“ nach Lebenszeichen im Gehirn suchen. Beide medizinjournalistischen Arbeiten sind herausragend, denn sie berichten einfühlsam und kompetent über das, was jeden Menschen betrifft und doch so schwer zu fassen ist: die Grenze zwischen Leben und Tod. Beide haben sich beim Journalistenpreis Neurologie 2017 der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) als beste Arbeiten in den Kategorien „Wort“ und „Elektronische Medien“ durchgesetzt.

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Die DGN prämiert zum zehnten Mal exzellente Medienwerke aus dem Gebiet der Neuromedizin mit dem Deutschen Journalistenpreis Neurologie, der insgesamt mit 5000 Euro dotiert ist. Die feierliche Preisverleihung findet bei der Eröffnungsveranstaltung des 90. Jahreskongresses der DGN am 21. September 2017 in Leipzig statt.
„Die Siegerbeiträge stechen aus den vielen guten und sehr guten Einsendungen klar hervor“, sagt Jurymitglied Professor Gereon R. Fink, Präsident der DGN. „Beide veranschaulichen auf ganz unterschiedliche, faszinierende Art und Weise, wie sehr das Gehirn uns als Mensch und Individuum definiert und dass unser Leben mehr ist als funktionierende Organe.“

Roland Schulz (li) überzeugte die Jury des Deutschen Journalistenpreises Neurologie 2017 in der Kategorie „Wort“. Dr. Patrick Hünerfeld, Wissenschaftsredakteur beim Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden, ist Preisträger in der Kategorie „Elektronische Medien“. (c) privat; SWR/Thorsten Hein

Der Jury aus Neurologen und renommierten Medienschaffenden lagen in diesem Jahr 42 Arbeiten zur Bewertung vor. Neben dem DGN-Präsidenten stimmten Ulrich Bahnsen, Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, Heike Le Ker, Wissenschaftsredakteurin bei „Spiegel online“, Gaby Miketta, Chefredakteurin bei Hubert Burda Media, sowie Till Nassif, Moderator des „ARD Morgenmagazins“ und des „BR Rundschau-Magazins“, über die Beiträge ab.

„Ganz am Ende“ – eine Chronik des Sterbens

Der Deutsche Journalistenpreis Neurologie 2017 in der Kategorie „Wort“ geht an Roland Schulz für seinen Text „Ganz am Ende“, erschienen im „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Schulz, Jahrgang 1976, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitet aktuell als Autor für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ und für „GEO“.
„Tage vor deinem Tod, wenn noch niemand deine Sterbestunde kennt, hört dein Herz auf, Blut bis in die Spitzen deiner Finger zu pumpen. Wird anderswo gebraucht. In deinem Kopf.“ Mit diesen Worten nimmt Schulz den Leser mit auf die letzte Reise. „Ganz am Ende“ beschreibt, was im Körper und im Geist passiert, wenn ein Mensch stirbt. Mit klaren Worten und ohne Pathos erläutert Schulz die Pathophysiologie des Organversagens, thematisiert Todesursachen-Statistiken, Krankheiten-Codes und Abrechnungsziffern ebenso wie Ängste, Erkenntnisse und Schmerzen. „Ganz am Ende“ ist aber nicht nur eine fundiert recherchierte, umfassende medizinjournalistische Chronik der letzten Momente, Schulz’ stilistisch herausragender Text macht mit Worten erfahrbar, wie es sich anfühlt, wenn man stirbt.

Fernsehdokumentation zeigt erstmals detailliert die Hirntoddiagnostik

In der Kategorie „Elektronische Medien“ hat Dr. Patrick Hünerfeld die Jury überzeugt. Seine 45-minütige Fernsehdokumentation „Organspende – zwischen Tod und Hoffnung“, ausgestrahlt in der ARD-Reihe „Die Story im Ersten“, behandelt ebenfalls das Sterben – im Fokus steht aber das Überleben durch eine Organspende. Hünerfeld dokumentiert von der Einlieferung eines Sterbenden ins Krankenhaus über die Hirntoddiagnostik und Entnahme der Organe bis zum Umgang mit dem Leichnam, was Organspende wirklich bedeutet. Auch das Warten auf ein lebensrettendes Organ, die riskante Transplantation bis zum Leben mit dem neuen Organ. Seine Kamera zeigt alles und wahrt doch stets die gebotene respektvolle Distanz. Zum ersten Mal können Fernsehzuschauer Neurologen über die Schulter blicken, die einen Menschen, der beatmet ist und dessen Herz schlägt, nach einem genau definierten Schema auf Lebenszeichen des Gehirns untersuchen. „Es ist enorm wichtig, dass die Menschen das Konzept des `Hirntods´, im Fachjargon `irreversibler Hirnfunktionsausfall´, wirklich verstehen“, betont Hünerfeld, „denn bald werden auch wir über eine Organspende nach Herzkreislaufstillstand diskutieren, die in vielen europäischen Ländern bereits erfolgreich praktiziert wird. Wir werden dazu eine breite gesellschaftliche Diskussion führen müssen.“
Hünerfeld, Jahrgang 1969, ist approbierter Arzt und Wissenschaftsredakteur beim Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden. Er arbeitet als Autor und Regisseur für unterschiedliche Fernsehformate, sein Schwerpunkt sind derzeit Fernsehdokumentationen für die ARD, für arte und die Sendereihe „betrifft“ des SWR-Fernsehens. Hünerfeld ist – nach seinem im Jahr 2012 prämierten Film über die umstrittene Krankheit Neuroborreliose – der erste Journalist, der zum zweiten Mal mit dem Deutschen Journalistenpreis Neurologie ausgezeichnet wird. Die Dokumentation wurde am 23. Januar 2017 erstausgestrahlt und ist in der ARD Mediathek verfügbar.

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Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 8000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.
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Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
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Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen



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