Über den Fall Methadon und die Kunst des Gedankenlesens – kritischer Medizinjournalismus prämiert

19. September 2018 – Die Sieger des Deutschen Journalistenpreises Neurologie 2018 stehen fest. In ihrem Hörfunk-Feature „Der Fall Methadon“ über Methadon als mögliches Krebsmedikament reflektiert die Wissenschaftsjournalistin Martina Keller die Rolle der Medien bei der Berichterstattung über Krankheit und Heilung. „Die Zeit“-Redakteur Moritz Aisslinger hat einen Neurowissenschaftler bei seiner Arbeit mit vollständig gelähmten Menschen begleitet.

Einfühlsam und informativ schildert er, wie es gelingt, mit Locked-in-Patienten zu kommunizieren, deren Geist in einem unbeweglichen Körper eingeschlossen ist. Beide medizinjournalistischen Arbeiten sind herausragend, denn sie setzen sich kritisch, kompetent und laienverständlich mit vermeintlichen Wundern und echten Errungenschaften der Medizin auseinander. Beide haben sich beim Journalistenpreis Neurologie 2018 der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) als beste Arbeiten in den Kategorien „Wort“ und „Elektronische Medien“ durchgesetzt.

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Die DGN prämiert zum elften Mal exzellente Medienwerke aus dem Gebiet der Neuromedizin mit dem Deutschen Journalistenpreis Neurologie, der insgesamt mit 5000 Euro dotiert ist. Die feierliche Preisverleihung findet bei der Eröffnungsveranstaltung des DGN-Kongresses am 30. Oktober 2018 in der Messe Berlin statt (www.neurowoche.org).

Der Jury aus Neurologen und Medienschaffenden lagen in diesem Jahr 42 Arbeiten zur Bewertung vor. Neben dem DGN-Präsidenten Prof. Dr. Gereon R. Fink stimmten Dr. Sophie Aschenberg, Neurologin an der Universitätsklinik Köln, Prof. Dr. Peter Berlit, DGN-Generalsekretär, Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, DGN-Pressesprecher, Dirk von Gehlen, Leiter Social Media/Innovation der „Süddeutschen Zeitung“, Beatrice Lugger, Geschäftsführerin und Direktorin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation, Prof. Dr. Alexander Münchau, Neurologe an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein, Jeanne Rubner, Leiterin der Redaktion Wissenschaft und Bildungspolitik beim BR-Hörfunk, sowie Roland Schulz, Autor und Gewinner des Deutschen Journalistenpreises Neurologie 2017, über die Beiträge ab.

„Beiden Autoren gelingt es durch sorgfältige, investigative Recherche, vermeintliche medizinische Wunder auf wissenschaftlich gesicherte Fakten herunterzubrechen und echte Errungenschaften von Scharlatanerie zu trennen. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur gesundheitlichen Aufklärung“, sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN.

„Der Fall Methadon“ – ein Lehrstück über Krebs und Hoffnung

Der Deutsche Journalistenpreis Neurologie 2018 in der Kategorie „Elektronische Medien“ geht an Martina Keller für ihr Radio-Feature „Der Fall Methadon“, ausgestrahlt in der Deutschlandfunk-Reihe „Wissenschaft im Brennpunkt“. Eine Zufallsentdeckung elektrisiert die Krebsmedizin: Krebspatienten, die mit dem Drogenersatz- und Schmerzmittel Methadon behandelt wurden, leben. Doch heißt das auch: Methadon heilt Krebs? Die Wissenschaftsjournalistin geht der Frage nach, inwieweit die Hoffnungen berechtigt sind und die Berichterstattung in den Medien unrealistische Erwartungen geschürt hat. „Martina Kellers Arbeit über Methadon als mögliches Krebsmedikament ist – im besten Sinne – ein Lehrstück“, urteilt Jurypräsident Hans-Christoph Diener. „Sie analysiert nicht nur, wie es wirklich um die Grundlagenforschung zur Methadon-Anwendung bei Hirntumoren bestellt ist, sondern zeigt auch, welche Auswirkungen die bisherige Berichterstattung auf sterbenskranke Menschen und ihre Hoffnungen auf Heilung hat.“

Martina Keller arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin in Hamburg. 2012 gehörte sie einem Team des „International Consortium of Investigative Journalists“ an, das die Verflechtungen des internationalen Leichenhandels recherchierte. Martina Keller produziert Hörfunk-Features für ARD-Sender und schreibt für Medien wie „Die Zeit“, „GEO“, „Süddeutsche Zeitung“ sowie „Der Spiegel“. Ihr Hörfunk-Feature „Der Fall Methadon“ wurde am 8. April 2018 erstausgestrahlt und ist in der Mediathek des Deutschlandfunks verfügbar.

„Kann er Gedanken lesen?“ – Kommunikation mittels neurobiologischer Signale

In der Kategorie „Wort“ hat Moritz Aisslinger die Jury mit seinem Text „Kann er Gedanken lesen?“ überzeugt, der in „Die Zeit“ erschienen ist. Aisslinger ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München und arbeitet als Redakteur für „Die Zeit“.

„Acht Jahre nachdem in einem italienischen Dorf eine Familie ins Unglück stürzte, tiefer und tiefer, je weiter die Zeit voranschritt, ist ein Mann auf dem Weg, ihr neue Hoffnung zu bringen.“ Mit diesen Worten nimmt Moritz Aisslinger den Leser mit auf die Reise in das Gehirn eines vollständig gelähmten Patienten mit der neurologischen Erkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), um herauszufinden, wie es gelingen kann, die Gedanken eines Menschen zu „lesen“, dessen Geist nicht mehr in Kontakt zur Außenwelt treten kann. Mit klaren Worten erläutert er, wie neurobiologische Signale – nichts anderes sind Gedanken – aufgezeichnet und als „ja“ oder „nein“ gedeutet werden können. Für seine fundiert recherchierte Reportage hat Aisslinger den berühmten Hirnforscher Niels Birbaumer bei der Arbeit mit Locked-in-Patienten begleitet. Der empathische Blick des Autors, der aus kleinen, scheinbar unwesentlichen Aspekten ein Stimmungsbild komponiert, macht erfahrbar, wie komplett Eingeschlossene und ihre Angehörigen denken und fühlen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 9.000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.
www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Generalsekretär: Prof. Dr. med. Peter Berlit
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Geschäftsstelle
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Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

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