DGPPN, DGKJP und DGN
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Gemeinsame Stellungnahme

der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapie (DGPPN),
der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
anlässlich der Veranstaltung am 13.06.2009 in der Lanxess-Arena in Köln.

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Die geplanten Ultimate Fighting-Kämpfe in Köln am 13.06.2009 stellen den Auftakt folgender bundesweiter Veranstaltungen in Deutschland dar. Ultimate Fighting, eine US-amerikanische Variante des Boxens, soll im kommenden Monat auch in Deutschland Einzug halten. Angefeuert von johlenden Fans prügeln Kämpfer in einem Drahtkäfig aufeinander ein. Nahezu unbegrenzte Freiheit von Regeln, Aggression ohne gesellschaftliche Fesseln und der Verzicht auf menschliche Tabugrenzen lässt uns den Atem anhalten. Die fast nackte Hand ersetzt den Boxhandschuh, eine multikulturelle Mischung von Kampftechniken löst die Trennung von Boxen, Ringen und Karate auf. Die Faszination solcher Veranstaltungen ist unbestreitbar und die historischen Vorbilder zeigen, dass ein Urinstinkt in uns angesprochen wird.

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Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapie (DGPPN), die Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) sind die Fachgesellschaften psychiatrisch, psychotherapeutisch und neurologisch arbeitender Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Die Aufgabe der DGPPN, DGKJP und DGN ist es, sich für die Belange psychisch und neurologisch kranker Menschen jeglichen Alters einzusetzen. Untrennbar von dieser Kernkompetenz sehen wir mit Sorge Gewaltverharmlosungen in unserer Gesellschaft. Wie in allen medizinischen Fächern kommt der Prävention auch in der Psychiatrie und Neurologie eine entscheidende Rolle zu. Gewalt im häuslichen Bereich, in den Schulen, bei Demonstrationen und im Alltag ist Ursache bzw. Auslöser vieler psychischer Störungen. Hierfür gibt es eine große Anzahl guter Belege. Über die dieser Gewalt zugrunde liegenden Ursachen wird viel diskutiert. Ohne jeden Zweifel aber ist Lernen am Modell ein entscheidender Mechanismus für die Entwicklung menschlichen Verhaltens. Wenn wir nach den Ursachen von Gewalt fragen, müssen wir deshalb auch nach den Vorbildern suchen.

Die öffentliche Darstellung von Gewalt in Form von Computerspielen und in Filmen hat schon lange ein bedenkliches Ausmaß erreicht. Als Live-Darstellung verleiht Ultimate Fighting diesem Trend eine neue Dimension. Wie werden wir reagieren, wenn sich, als konsequente Fortsetzung dieser Entwicklung, Menschen anbieten,
tatsächlich auf Tod oder Leben zu kämpfen? Werden dann lediglich die Eintrittspreise erhöht werden?

Welche Botschaft wird unserer Gesellschaft durch Ultimate Fighting vermittelt?

DGPPN, DGKJP und DGN meinen, eine Botschaft der Gewalt! Hierfür möchten wir einige Gründe anführen:


DGPPN, DGKJP
und DGN sprechen sich als wissenschaftliche Fachgesellschaften psychiatrisch, psychotherapeutisch und neurologisch tätiger Ärztinnen und Ärzte aus den hier dargelegten Gründen gegen öffentliche Gewaltdarstellungen wie das Ultimate Fighting aus. Sie hoffen dabei auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens.

Prof. Dr. Dr. F. Schneider, Präsident der DGPPN
Prof. Dr. J. Hebebrand, Präsident der DGKJP
Prof. Dr. H. Reichmann, Präsident der DGN

Kontakte:

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde

Hauptgeschäftstelle: Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel. 030/28096602

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Hauptgeschäftstelle: Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel. 030/28096579

Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. 
Prof. Dr. med. Otto Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930, 


Abdruck honorarfrei – Belegexemplar an die Pressestelle erbeten

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7300 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin. www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930, E-Mail: 

Ansprechpartner für die Medien: Frank A. Miltner, Tel: +49 (0)89-461486-22, E-Mail: 

Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen