Prof. Dr. Martin Grond

Kommentierte Studie  

ASS: Schutz für Herz und Hirn muss nicht auf den Magen schlagen

14. August 2009 – Patienten, die zum Schutz vor Herzkrankheiten und Schlaganfällen niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS, „Aspirin“) einnehmen, müssen diesen Vorteil nicht unbedingt durch eine erhöhte Rate an Magenblutungen, Darmgeschwüren oder Entzündungen der Speiseröhre erkaufen. Wie britische Forscher in der Fachzeitschrift The Lancet berichten, ist es vielmehr durch die gleichzeitige Gabe des Wirkstoffs Famotidin möglich, den überwiegenden Teil dieser Nebenwirkungen zu verhindern. Famotidin ist ein gut verträglicher H2-Rezeptor-Antagonist, der bereits seit Mitte der 1980er-Jahre erhältlich ist. Diese Klasse von Arzneimitteln verringert indirekt die Absonderung von Magensäure, indem sie die Wirkung des Botenstoffs Histamin reduziert.

404 Risikopatienten mit kardiovaskulären und zerebrovaskulären Erkrankungen bzw. Diabetes waren am Crosshouse Hospital der Universität Glasgow im schottischen Kilmarnock in der Studie randomisiert worden, entweder auf niedrig dosiertes ASS und Placebo oder auf ASS plus Famotidin. Während in der ersten Gruppe 30 von 200 Probanden endoskopisch nachgewiesene Magengeschwüre entwickelten (15%), waren es mit zwei mal täglich 20 Milligramm Famotidin nur sieben von 204 (3,4%) gewesen. Außerdem hatte nur einer der Patienten unter Famotidin ein Zwölffingerdarmgeschwür bekommen, gegenüber 17, die ein Placebo eingenommen hatten. Schließlich war auch eine erosive Ösophagitis mit neun gegenüber 38 Patienten in der Verum-Gruppe hochsignifikant seltener aufgetreten.

„Niedrig dosiertes Aspirin ist eine der meistgenutzten Arzneien weltweit”, erinnerte Studienleiter Ali S. Taha. Immer häufiger werde dieses preiswerte Medikament wegen seiner schützenden Wirkung auf Herz, Hirn und Gefäße an Risikopatienten verschrieben, doch habe dies auch zu einer Zunahme der Komplikationen im oberen Magen-Darm-Trakt geführt, darunter Magengeschwüre und -durchbrüche, manchmal sogar Todesfälle. Taha hatte bereits 1996 gezeigt, dass Rheumapatienten, die gegen ihre Schmerzen hoch dosiertes ASS und ähnliche Substanzen einnehmen, sehr viel seltener Magengeschwüre erleiden, wenn sie zusätzlich Famotidin schlucken.

„Diese Studie zeigt nun, dass Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre bei Patienten unter niedrig dosierter ASS wirksam verhindert werden können“, so der Neurologe Professor Martin Grond, Chefarzt der Klinik für Neurologie in Siegen. Bemerkenswert sei auch, dass die Studienautoren keine Hinweise auf eine Wechselwirkung zwischen Famotidin und Clopidogrel gefunden hatten – ein Thema, das unter Spezialisten kontrovers diskutiert wird. Sollten sich diese Resultate in weiteren unabhängigen Studien bestätigen, so der zweite Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft weiter, könnten H2-Rezeptor-Antagonisten wie Famotidin bedeutsam werden für Patienten, die zur Vorbeugung von Herz- und Schlaganfällen Aspirin und Clopidogrel einnehmen.

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Prof. Dr. med. Martin Grond
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