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Prof. Dr. Claudia Sommer
Neuropathie: Weniger Schmerzen durch Kombi-Therapie

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16. November 2009 – Menschen, die wegen einer Verletzung des peripheren Nervensystems unter schweren Schmerzen leiden, kann durch die Kombination zweier gebräuchlicher Arzneien besser geholfen werden, als mit den einzeln verabreichten Substanzen. Neben den Schmerzen verbesserte die Doppelbehandlung in einer Vergleichsstudie auch den Schlaf der Patienten.

Nach Schätzungen sind etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung von Neuropathien betroffen, was neben den vielen Leidensgeschichten auch enorme wirtschaftliche Folgen hat. Pro Patient sind die Kosten für das Gesundheitssystem etwa drei Mal so hoch wie für den Durchschnitt der Bevölkerung – alleine in den USA sollen so 40 Milliarden Dollar jährlich zustande kommen.

Studie: Kombinationstherapie wirkt besser

Die Kombination aus dem antidepressivem Wirkstoff Nortriptylin und der krampflösenden Arznei Gabapentin wirkt gegen so genannte neuropathische Schmerzen besser, als jede Substanz für sich alleine, berichten jetzt Forscher der Queen´s-Universität im kanadischen Kingston in „The Lancet“. Sie bekräftigen damit klinische Erfahrungen, die auch in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie eingeflossen sind.

„Die Untersuchung schließt eine Wissenslücke in unserem Bestreben, den Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen“, sagt Professor Claudia Sommer, Leitende Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg. Gemessen an der Tatsache, dass die Kombinationstherapie in der Praxis sehr häufig verwendet wird, lagen bisher viel zu wenige Daten über deren Effizienz vor.

Neuropathien sind Leiden, die durch Schäden am „äußeren“ (peripheren) Nervensystem entstehen und die zu krankhaften Schmerzen führen. Häufige Ursachen einer Neuropathie sind Diabetes und Infektionen mit Herpesviren, aber auch Vitamin-B-Mangel, Unfälle, einseitige Belastungen oder Quetschungen von Nerven, wie sie zum Beispiel bei bettlägerigen älteren Menschen auftreten, die sich wegen einer Lähmung nicht umdrehen können.

Die Wissenschaftler um Ian Gilron, Leiter der Klinischen Schmerzforschung und Anästhesist am Kingston General Hospital, hatten ihre Untersuchung begonnen, weil neuropathische Schmerzen mit den bisher verfügbaren Medikamenten nur unvollständig zu beherrschen sind. Mit höheren Dosierungen dieser Medikamente war das Problem nicht zu lösen, denn dadurch wuchs das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen. In Kanada erhält zwar fast jeder Zweite zwei oder mehr Medikamente gegen die Schmerzen, allerdings sind der Nutzen und die Nebenwirkungen solcher Kombinationstherapien nur unzureichend erforscht. Man konzentrierte sich daher auf zwei der meistgenutzten Arzneien gegen die Neuropathie – Nortriptylin und Gabapentin – die 56 Patienten jeweils einzeln oder zusammen bis zur höchstmöglichen verträglichen Dosierung verabreicht wurden. Ursache der Neuropathien war hier zu etwa drei Vierteln eine Diabetes-Erkrankung gewesen und zu einem Viertel der Zustand nach Gürtelrose, also die Folgen einer Herpes-Reaktivierung.

Auf einer Schmerzskala, die von 0 bis 10 reicht, hatten diese Patienten zu Beginn der Untersuchung einen Durchschnittswert von 5,4. Ausgewertet wurden die Daten jener 47 Patienten, die mindestens zwei der drei vorgesehenen Behandlungszyklen von jeweils sechs Wochen Dauer abgeschlossen hatten. Dabei zeigte sich, dass die alleinige Behandlung mit Gabapentin die Schmerzen im Durchschnitt auf einen Wert von 3,2 verringern konnte; Nortriptylin schien mit einem Wert von 2,9 geringfügig besser. Eindeutig überlegen gegenüber den einzeln verabreichten Arzneien war jedoch die Kombinationsbehandlung: Mit beiden Substanzen zusammen verringerten sich die Schmerzen der Patienten auf einen Wert von durchschnittlich 2,3 – und zwar ohne vermehrte Nebenwirkungen.

Zur Freude der Forscher reduzierte die Kombinationstherapie außerdem die Schlafstörungen der Patienten, was bei einer früheren Untersuchung zur Kombination von Morphin und Gabapentin im Vergleich mit den Einzelsubstanzen nicht der Fall war.

Dies zeigt, dass nicht alle Kombinationen gleichwertig sind und dass solche Studien wichtige Erkenntnisse bringen, kommentierte Professor Sommer. Interessant sei auch, dass die Blutspiegel für beide Substanzen bei der Gabe der Einzelstoffe sich nicht wesentlich von den Blutspiegeln bei der Kombinationstherapie unterscheiden, obwohl dabei um 10 bis 20% geringere Dosen der Einzelmedikamente gegeben wurden. Dies weist auf mögliche Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten hin, was in zukünftigen Studien zur Kombinationstherapie unbedingt berücksichtigt werden sollte.

Literatur:

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. Claudia Sommer

Leitende Oberärztin der Neurologischen Klinik und Poliklinik
Universitäts-Klinikum Würzburg,
Josef-Schneider Straße 11 , 97080 Würzburg
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