Die Romberg-Amphore
Einst war es ein prunkvolles Geschenk der Mitarbeiter von Moritz Heinrich Romberg für ihren Lehrer – jetzt erinnert die eindrucksvolle Amphore in der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie nachhaltig an den Begründer der modernen Neurologie.

Moritz Heinrich Romberg (1795 – 1873) schuf mit seinem „Lehrbuch der Nerven-Krankheiten des Menschen“ 1840/51 das Fundament der klinischen Neurologie. Das Werk war die erste und über Jahrzehnte einzige systematische Darstellung der neurologischen Krankheiten in Europa und Amerika und machte ihn international berühmt und angesehen. Selbst Heinrich Heine hatte das Buch in seiner Matratzengruft gelesen und Fjodor Dostojewski wollte sich 1863 wegen seiner Epilepsie von Romberg, dem europaweit bekannten Spezialisten in Berlin, beraten lassen (J. L. Rice 1985).  Spillane nannte ihn 1981 „the first clinical neurologist“. Klavans schrieb 1982: „Modern neurology begins with Romberg“.

Lebhafter Ausdruck dieser Verehrung Rombergs schon zu seinen Lebzeiten war sein 50jähriges Doktorjubiläum, das am 29.März 1867 im „Hotel de Rome“ in Berlin Unter den Linden als eine Art nationales Fest gefeiert wurde. Alle deutschsprachigen Universitäten waren mit Abgeordneten vertreten, der preußische Minister für das Unterrichts- und Medizinalwesen überreichte ihm im Auftrage des Königs „die Insignien des Kronenordens zweiter Klasse“, die Berliner Medizinische Gesellschaft ernannte ihn zu ihrem ersten Ehrenmitglied, die Breslauer Universität verlieh ihm den Dr. phil. ehrenhalber und die Berliner Medizinische Wochenschrift nannte „unseren ehrwürdigen Romberg“ einen Priester der Wissenschaft und dankte ihm für die „Neugestaltung der Medizin“.

Bei diesem festlichen Anlass schenkten ihm seine Assistenten und Mitarbeiter eine große Amphore aus der Königlichen Porzellanmanufaktur (KPM) mit einer entsprechenden Widmung, einem Abbild seines Wohnhauses („Am Zeughause 2“) und ihren Namenszügen.

Dieses prächtige Geschenk ist nun kürzlich bei einem Wiesbadener Antiquar wieder aufgetaucht und vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Neurologie erworben worden. Der Antiquar hatte sich an die Leitung der Berliner Charité gewandt. Deren Mitarbeiterin, Frau Fabert, sprach R. Schiffter an, von dem sie wusste, dass er sich mit dem Andenken Rombergs beschäftigt hatte. Dieser bemühte sich zunächst erfolglos um Ankauffinanzierung und Standort, traf dann aber auf einer Tagungsreise in der Bahn Herrn Busse, den Geschäftsführer der DGN, der rasch von dem Plan zu begeistern war und schließlich ohne große Mühe den Ankauf der Amphore beim Vorstand der DGN erreichen konnte.

Die inzwischen von einer schlichten und stabilen Vitrine geschützte Amphore wurde am 9.11.2009 im Rahmen einer kleinen Feierstunde in Anwesenheit einiger Berliner Neurologen (D. Janz, P. Vogel, B. Holdorff, W. Rimpau, R. Schiffter), von Frau Fabert  und von Herrn Busse im Sitzungssaal der Geschäftsstelle der DGN in Berlin aufgestellt. Sie soll hier ihren bleibenden Standort haben.

Sie ist ein schönes und würdiges Gründungsdokument der deutschen und internationalen Neurologie und kann von allen Besuchern besichtigt werden.

R. Schiffter
im November 2009

Literatur beim Verfasser
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