Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft

zum Artikel im Deutschen Ärzteblatt 2008, Jahrgang 105, Heft 38, Seite C1645-1646:
"Notfallmedizin – die Leitlinien müssen eingehalten werden"

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Das Eckpunktepapier ist ein dankenswerter Einstieg in eine unbedingt erforderliche Diskussion um die notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung, die die verantwortlichen Länderministerien und die Krankenhausträger mit den Fachgesellschaften aufnehmen müssen. Die DGN und die DSG halten die Grundpositionen dieses Eckpunktepapiers für richtig. Wir unterstützen insbesondere, dass eine erfolgreiche Notfallversorgung sich maßgeblich am Faktor Zeitersparnis ausrichten muss und dass die Versorgungsstrukturen den anerkannten Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften genügen müssen.

Dies hat für den Schlaganfall, die neurologische Volkskrankheit, ganz besonderes Gewicht, da hier jede Minute zählt, wenn es um die Rettung von Hirngewebe geht, das bekanntermaßen nicht regenerierbar ist. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderung und nachgewiesenermaßen sind moderne neurologische Behandlungsmethoden dann besonders wirksam, wenn sie so früh wie möglich eingesetzt werden. Grundsätzlich gilt dies aber auch für alle anderen neurologischen Notfälle wie Hirnhautentzündungen oder Blutungen, die nur deutlich seltener vorkommen.

In dem Eckpunktepapier bedürfen zwei von vier Erkrankungen maßgeblich der neurologischen Therapie und Diagnostik. Unter den Voraussetzungen für die Teilnahme an der Notfallversorgung wird aber das Vorhandensein einer neurologischen Abteilung mit Stroke-Unit nicht erwähnt. Für die stationäre Versorgung dieser Notfälle muss das aber gefordert werden. Auf den Stroke-Units kann das geforderte Zeitintervall bis zur Therapie von 90 Minuten in der Mehrzahl der Fälle eingehalten und dank organisierter Absprachen mit dem Rettungsdienst an vielen Orten unterboten werden. Die Thrombolyse kann in einer Klinik mit Stroke-Unit und Schlaganfallerfahrung viel besser erfüllt werden: Die Zahlen der hessischen Schlaganfalldatenbank zeigen, dass Patienten mit stationärer Aufnahme innerhalb von drei Stunden nach dem Akutereignis in Kliniken ohne Stroke-Unit in nur 6% und in Kliniken mit Stroke Units in 28% thrombolysiert werden. Darüber hinaus haben Schlaganfallpatienten, die auf einer Stroke-Unit behandelt wurden, nach 3 Monaten ein um 25% besseres Ergebnis. Daher fordern wir dass die Voraussetzungen für die klinische Notfallversorgung im Eckpunktpapier dahingehend erweitert werden, dass nur solche Klinika an der Versorgung akuter Schlaganfälle beteiligt werden, die über eine Neurologische Abteilung mit Stroke-Unit verfügen.

Die stationäre Neurologie ist mittlerweile zu einem überwiegenden Notfallfach geworden, was selbst unter ärztlichen Kollegen immer noch nicht genügend realisiert wird. So werden in den neurologischen Akutkliniken der Bundesrepublik durchschnittlich 75% der stationären Patienten als Notfälle aufgenommen. An manchen Klinika sind die neurologischen Notaufnahmen bereits die größte Untergruppe unter den Notaufnahmen. Daher müssen Neurologen unmittelbar an der stationären Notfallversorgung beteiligt werden. Auch in kleineren Häusern muß ein in neurologischen Notfällen erfahrener Neurologe unmittelbar hinzugezogen werden.

Unsere Gesellschaft ist kurz vor Drucklegung des Eckpunktepapiers aufgefordert worden ebenfalls mitzuzeichnen - allerdings ohne die Möglichkeit die Inhalte dieses Papiers noch mitzugestalten. Daher haben wir es im Interesse der neurologischen Kranken vorgezogen, in dieser Form zu der Diskussion beizutragen. 

Prof. Dr. G. Deuschl
1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Kiel/Berlin

Prof. Dr. W. Hacke
1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft, Heidelberg/Berlin

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