26. April 2018 – Der erste gewählte Präsident des German Brain Council tritt mit großen Zielen an: Prof. Dr. Alfons Schnitzler möchte die Politik für einen „National Brain Plan“ gewinnen und das Thema Erkrankungen des Nervensystems auf die Agenda der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 gesetzt wissen.

Warum ist die Gründung des German Brain Council ein Meilenstein für die Neuromedizin?

Es ist wichtig, dass wir mit einer Stimme sprechen können und als gemeinsames Bündnis wahrgenommen werden, wenn es um Erkrankungen und die Gesundheit des Gehirns geht. Die damit verbundenen Herausforderungen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sind enorm für die Gesellschaft und das Individuum. Das betrifft sowohl die Versorgung unserer Patienten als auch die Grundlagen- und klinische Forschung in diesem Bereich.

Wir können politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit viel besser und nachhaltiger informieren, wenn die verschiedenen einzelnen Fachgesellschaften, die sich mit dem Gehirn und dem Nervensystem beschäftigen, ihre Interessen zu einer Stimme bündeln. Umgekehrt wollen wir uns auch als Ansprechpartner für die Politik etablieren: Wenn es um Gehirnerkrankungen und Forschung geht, wende ich mich ans German Brain Council.

Mit einer Stimme für das Gehirn zu sprechen ist auf nationaler Ebene wichtig, aber natürlich auch darüber hinaus. Das German Brain Council steht gemeinsam mit den anderen National Brain Councils unter dem Dachverband des European Brain Council, das auf europäischer Ebene dafür Sorge trägt, dass die Politik der gesellschaftlichen Bedeutung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen gerecht wird und Forschungsaktivitäten entsprechend unterstützt werden.

Sie sind der erste gewählte Präsident des German Brain Council. Was haben Sie sich für die zwei Jahre Ihrer Präsidentschaft vorgenommen?

Zunächst muss natürlich der Vorstand seine Arbeit aufnehmen und der Verein sich etablieren und konsolidieren. Wir verfolgen aber auch von Beginn an ambitionierte Ziele. Ein Ziel ist es, die Politik für die Implementierung eines „National Brain Plan“ zu gewinnen. Auf der Grundlage von Expertenwissen soll hiermit eine Entscheidungshilfe für Maßnahmen der Prävention und Behandlung angeboten werden. Wir wollen so frühzeitig Einfluss nehmen und zentrale Weichen stellen, um den großen Herausforderungen im Bereich der Versorgung von Erkrankungen des Gehirns zu begegnen.

Eine gute Gelegenheit, mit Nachdruck auf unsere Ziele aufmerksam zu machen, wird die EU-Präsidentschaft sein, die Deutschland 2020 übernimmt. Ich möchte mich gemeinsam mit dem German Brain Council und dem European Brain Council dafür einsetzen, dass das Thema Erkrankungen und Gesundheit des Gehirns auf der Agenda der EU-Präsidentschaft Berücksichtigung findet. Wenn es bis 2020 gelingt, den Weg zu einem „National Brain Plan“ zu bahnen und das Thema auf die Agenda der EU-Präsidentschaft zu bekommen, wären das große Erfolge. Dazu müssen wir jetzt als Erstes Kontakte zu den entsprechenden politischen Entscheidungsträgern knüpfen und Aktionen auf den Weg bringen.

Sind bereits erste konkrete Projekte gestartet?

Wir werden noch 2018 auf den großen klinisch-neurowissenschaftlichen Konferenzen aktiv sein. Auf der Neurowoche der DGN und auf dem DGPPN-Kongress haben wir Symposien angemeldet. Wir fangen also gleich mit der Arbeit an.

Wie arbeitet das German Brain Council mit dem European Brain Council zusammen?

Mit dem EBC werden wir eine wichtige, gegenseitig unterstützende Interaktion pflegen. Die Vertreter der National Brain Councils treffen sich regelmäßig zur sogenannten European Academy of National Brain Councils im European Brain Council, tauschen sich aus und arbeiten wirklich intensiv miteinander. Das ist ein wichtiges Gremium, um unsere Interessen mithilfe des EBC auf europäischer Ebene einzubringen. Deutschland ist einer der größten Partner. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Stimme dort auch gebührend vertreten ist. Wenn wir z.B. die Vergabe von Forschungsmitteln betrachten, wird die Musik zukünftig mehr auf europäischer Ebene spielen.
Neben dieser europäischen Lobbyarbeit will das German Brain Council auch national aktiv werden. Der Einfluss auf europäischer Ebene hängt natürlich entscheidend mit der nationalen, politischen Lobbyarbeit zusammen. Es gibt aber durchaus auch getrennte Pfade. Viele Entscheidungen, gerade für die Versorgung, werden auf nationaler Ebene getroffen. Und da wir zukünftig mit einer und nicht mit 15 oder 20 verschiedenen Stimmen auf die Politik zugehen werden, ist das natürlich ein Riesenvorteil.

Das Satzungsprotokoll haben zur Gründung 14 Fachgesellschaften unterzeichnet. Welche Mitglieder sollen noch dazukommen?

Wir werden noch in diesem Jahr auf Patientenvereinigungen zugehen. Es ist von großer Bedeutung, dass nicht nur Fachgesellschaften im German Brain Council vereinigt sind, sondern dass auch Patientenorganisationen dazukommen und ihre Interessen und Sichtweisen einbringen. Wir werden aber jederzeit auch weitere Fachgesellschaften in das GBC aufnehmen. Ich freue mich über jede Anfrage.

Können auch Firmen Mitglied werden?

Da wir ein gemeinnütziger Verein sind, können nur Vereinigungen beitreten, die ebenfalls Gemeinnützigkeit in ihrer Satzung festgeschrieben haben. Das ist klar geregelt. Das heißt aber nicht, dass wir nicht mit der Industrie zusammenarbeiten können. Die Interaktion mit der Industrie als Wegbereiter und Kooperationspartner bei Innovationen ist sehr wichtig.

Interview: Nina Buschek

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