In einer aktuellen Studie aus Wuhan [1] wiesen 40 von 88 Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen neurologische Symptome auf. Allein fünf von ihnen hatten einen Schlaganfall erlitten. Ob die zerebrovaskulären Ereignisse eine direkte Infektionsfolge sind oder bei schwerkranken Covid-19-Patienten häufiger auftreten, weil sie in der Regel mehr Schlaganfall-begünstigende Begleiterkrankungen aufweisen, muss weiter untersucht werden. Wichtig ist, dass Neurologen für das erhöhte Schlaganfallrisiko bei Covid-19-Patienten sensibilisiert sind, damit Insulte auch bei beatmeten Patienten rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Eine aktuelle Auswertung aus Wuhan [1] zeigt, dass neurologische Manifestationen bei hospitalisierten Covid-19-Patienten durchaus häufig sind. Insgesamt traten bei 36,4% der insgesamt 214 Patienten neurologische Symptome auf. Auffällig war zudem, dass neurologische Symptome bei Patienten mit schweren respiratorischen Verläufen vermehrt auftraten. Die Rate betrug in dieser Subgruppe sogar 45,5% (40 von 88 Patienten mit schwerem Verlauf wiesen neurologische Symptome auf). Es kam in dieser Gruppe aber nicht nur zu gehäuften, sondern auch zu schwereren neurologischen Manifestationen: Vier Patienten erlitten einen ischämischen Schlaganfall, ein Patient einen hämorrhagischen, bei 13 Patienten waren Bewusstseinsstörungen dokumentiert worden und bei einem ein Krampfanfall.

In der vorliegenden Studie wurden auch Laborparameter der schwer betroffenen Covid-19-Patienten ausgewertet. Auffällig war, dass Patienten mit neurologischen Symptomen eine geringere Lymphozytenzahl aufwiesen, was auf eine herabgesetzte Immunabwehr hindeutet. Außerdem hatten sie niedrigere Thrombozytenzahlen und höhere Blut-Harnstoff-Stickstoff-Spiegel (BUN). Die Gruppe der Patienten mit schweren respiratorischen Verläufen wies insgesamt auch höhere D-Dimer-Spiegel auf. Das kann per se auf eine Sepsis hinweisen, aber auch auf eine Aktivierung des Gerinnungssystems, wie sie auch bei anderen schweren Virusinfektionen bekannt sind. Wie Professor Peter Berlit in einer Pressemeldung der DGN ausführte, wurde bei Myopathien im Rahmen von SARS-Infektion histologisch eine Vaskulitis nachgewiesen. Bei der hohen Affinität auch des aktuellen Erregers zum AT 2-Rezeptor wäre somit auch eine Vaskulitis als Schlaganfallursache denkbar.

Die Autoren begleitenden Editorials in JAMA Neurology [2] heben hervor, dass es vor allem multimorbide Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie Bluthochdruck sind, die schwer an Covid-19 erkranken. Die höhere Schlaganfallrate unter den Covid-19-Patienten könnte somit einem Selektionsbias geschuldet sein.

„Ob ein Schlaganfall nun direkte Folge der schweren SARS-CoV-2-Infektion oder Resultat der Tatsache ist, dass Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen gleichzeitig auch zerebrovaskuläre Risikopatienten sind, ist eine wichtige Forschungsfrage, der wir gezielt nachgehen müssen. Wichtig ist aktuell aber, dass Schlaganfälle auch bei beatmeten Patienten rechtzeitig erkannt und behandelt werden“, betonte Professor Berlit.

[1] Mao L, Jin H, Wang M et al. Neurologic Manifestations of Hospitalized Patients With Coronavirus Disease 2019 in Wuhan, China. JAMA Neurol. Published online April 10, 2020. doi:10.1001/jamaneurol.2020.1127

[2] Pleasure SJ, Green AJ, Josephson SA. The Spectrum of Neurologic Disease in the Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 Pandemic Infection: Neurologists Move to the Frontlines. JAMA Neurol. 2020 Apr 10. doi: 10.1001/jamaneurol.2020.1065