Bei dieser Arbeit handelt es sich vermutlich um den ersten Bericht über komplette Obduktionen von COVID-19-Patienten in der englischsprachigen Literatur. Autopsiebefunde zweier SARS-CoV-2-positiver Patienten mit ARDS und schweren Komorbiditäten werden exemplarisch vorgestellt. Die Fälle illustrieren die große Herausforderung, vor der Pathologen bei der Bestimmung der Todesursache SARS-CoV-2-positiver Patienten künftig stehen könnten.

Die Autoren der vorliegenden Arbeit erläutern eingangs die bei den Sektionen angewendete Hygienemaßnahmen (wie Schutzausrüstung und Isolierraum mit Unterdruck). Beide Patienten waren adipös, beide hatten post mortem einen positiven Rachenabstrich. Der erste war ein 77-jähriger Hypertoniker, der sechs Tage Fieber und Schüttelfrost hatte und im Krankenwagen verstarb. Pulmonal zeigten sich eine diffuse Alveolarschädigung, Mukosaödem und Inflammation. Die PCR im Lungengewebe war ebenfalls positiv. Der zweite, ein 42-Jähriger mit myotoner Dystrophie, beklagte initial Abdominalschmerzen, entwickelte dann Fieber, Kurzatmigkeit und Husten und verstarb wenige Stunden nach Einlieferung. Die Virus-PCR im Lungengewebe war negativ, es fanden sich Aspirationshinweise, aber weder muköse Obstruktionen („mucus plugging“) noch eine Eosinophilie. Die Todesursache war eine akute bakterielle Bronchopneumonie, vermutlich nach Aspiration ¬– der Patient verstarb also mit- und nicht an COVID-19.

Eine zurzeit oft diskutierte COVID-19-assoziierte Myokardschädigung konnte in beiden Fällen nicht bestätigt werden. Die Autoren betonen, dass die Gesamtheit virusbedingter Pathologien sowie überlagerte bzw. koinzidente Befunde nur durch eine vollständige Obduktion erfassbar sind – nur so sei sicherzustellen, dass keine todesrelevanten Befunde, Krankheitsprozesse und deren Zusammenhänge übersehen werden. Künftig sei eine Zunahme des Spektrums möglicher Autopsieergebnisse zu erwarten. Mit der Publikation wollen die Autoren einen ersten Beitrag zum Verständnis der COVID-19-Pathologie durch Autopsie leisten und ein sicheres Obduktionsprotokoll für SARS-CoV-2-infizierte Patienten zur Verfügung stellen. Leider werden keine neuropathologischen Befunde berichtet.

Barton LM, Duval EJ, Stroberg E et al. COVID-19 Autopsies, Oklahoma, USA. Am J Clin Pathol 2020 Apr 10. pii: aqaa062. https://doi.org/10.1093/ajcp/aqaa062.