Eine niederländische Studie untersuchte thrombotische Komplikationen bei 184 intensivpflichtigen Covid-19-Patienten mit Pneumonie. Insgesamt lag die Inzidenz bei 31% - und war damit überraschend hoch, denn die Patienten hatten eine Thromboseprophylaxe erhalten. Bei weitem am häufigsten, und zwar in 27% der Fälle, traten venösen Thromboembolien auf (25 Lungenembolien und 3 andere VTE), der Anteil arterieller thrombotischer Ereignisse (in dieser Erhebung ausschließlich ischämische Schlaganfälle) betrug 3,7%.

Die Autoren dieser Studie [1] betonen, dass es sich bei diesen Zahlen sogar um eine konservative Schätzung handelt, denn letztlich waren alle Patienten noch auf der Intensivstation und es bestand somit ein Risiko, dass Patienten auch nach dem Beobachtungszeitraum der Studie noch ein thromboembolisches Ereignis erleiden. Hinzu komme, dass venösen Thromboembolien (VTE) bei intubierten Patienten schwer zu diagnostizieren sind und aufgrund der strikten Isolation weniger diagnostische Tests durchgeführt wurden. Bei intensiveren Screenings wäre vermutlich eine höhere Inzidenzrate ermittelt worden. Die Autoren appellieren, die pharmakologische Thrombosephrophylaxe konsequent bei allen intensivpflichtigen Patienten durchzuführen und zu intensivieren (z.B. zweimal täglich statt einmal täglich 40 mg Enoxaparin), auch wenn dafür keine randomisierte Evidenz vorliege.

Die Rate an ischämischen Schlaganfällen war in dieser Studie deutlich niedriger als in einer Auswertung von Patienten aus Wuhan [2].

Sie betrug in dieser niederländischen Erhebung 3/184 (ca. 1,6%) und in der chinesischen Studie 4/88 (ca. 4,5%). Die Fallzahlen sind aber insgesamt zu niedrig, um valide Schlüsse zu ziehen. Wie die DGN-Kommission Zerebrovaskuläre Erkrankungen in ihrer aktualisierten Stellungnahme [Verlinken mit https://www.dgn.org/rubrik-dgn/stellungnahmen-der-dgn/3947-aktualisierte-stellungnahme-auswirkungen-der-sars-cov-2-pandemie-auf-die-versorgung-zerebrovaskulaerer-erkrankungen ] hervorhebt, sind weitere Untersuchungen zum möglichen Zusammenhang von Covid-19 und zerebrovaskulären Ereignissen notwendig.

[1] Klok FA, Kruip MJHA, van der Meer NJM et al. Incidence of thrombotic complications in critically ill ICU patients with COVID-19. Thromb Res. 2020 Apr 10. pii: S0049-3848(20)30120-1. doi: 10.1016/j.thromres.2020.04.013. https://www.thrombosisresearch.com/article/S0049-3848(20)30120-1/pdf

[2] Mao L, Jin H, Wang M et al. Neurologic Manifestations of Hospitalized Patients With Coronavirus Disease 2019 in Wuhan, China. JAMA Neurol. Published online April 10, 2020. doi:10.1001/jamaneurol.2020.1127, https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2764549.