Eine retrospektive Singlecenter-Studie aus Wuhan erfasste über sechs Wochen von Januar bis Februar 2020 insgesamt 221 konsekutive bestätigte COVID-19-Fälle. Die Autoren analysierten das Auftreten akuter zerebrovaskulärer Ereignisse (bzw. CVD „acute cerebrovascular disease”) und verglichen klinische Charakteristika, Laborwerte, Therapie und Outcome der Betroffenen mit denen von COVID-19-Patienten ohne akute CVD. [mehr]

Von 221 Patienten erlitten in dieser Studie 5% einen ischämischen Schlaganfall, 0,5% eine Sinusvenenthrombose und 0,5% zerebrale Blutungen. Gegenüber Patienten ohne CVD waren die Betroffenen signifikant älter (71,6±15,7 vs. 52±15,3 Jahre; p<0,05) und hatten mehr als doppelt so häufig einen schweren klinischen Verlauf (84,6% vs. 39,9%, p<0,01). Sie wiesen mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren auf (z. B. Hypertonie, Diabetes mellitus, anamnestisch bekannte CVD) und zeigten häufiger überschießende Entzündungsreaktionen und eine Hyperkoagulabilität (CRP 51 vs. 12 mg/l und D-Dimere 6,9 vs. 0,5 mg/l). Sechs von elf Schlaganfallpatienten erhielten Aspirin oder Clopidogrel, drei von diesen sechs verstarben; die übrigen fünf Patienten erhielten Clexane, aus dieser Gruppe verstarb einer. Insgesamt betrug die Mortalitätsrate bei COVID-19-Patienten mit akuter CVD 38%.

Zusammenfassend war eine akute CVD ein starker negativer prognostischer Faktor. Nach Ansicht der Autoren muss das Management von COVID-19-Patienten mit CVD noch weiter untersucht und optimiert werden.

Li Y, Wang M, Zhou Y et al. Acute cerebrovascular disease following COVID-19: a single center, retrospective, observational study. Manuscript Number: THELANCET-D-20-02871