Ein Fallbericht aus den USA über einen älteren COVID-19-Patienten ohne bisherige Anfallsanamnese zeigt eine weitere mögliche neurologische Komplikation im intensivtherapeutischen Verlauf. Es kam es zu multiplen tonisch-klonischen Anfällen. Mehrere Risikofaktoren für zerebrovaskuläre Komplikationen lagen vor, die Vorstellung in der Klinik erfolgte wegen neurologischer Symptome nach einer Hypoglykämie.

Der 72-jährige Mann, ein Dialysepatient mit Hypertonie, koronarer Herzerkrankung und Diabetes mellitus Typ 2 wurde nach einer hypoglykämischen Episode mit Schwäche, Schwindel und Benommenheit in die Klinik gebracht und entwickelte dort nach dem Eintreffen unerwartet eine respiratorische Insuffizienz und Bewusstseinsstörung, so dass er intubiert und beatmet wurde. Röntgenologisch fand sich keine Pneumonie, wegen der paraklinischen Infektzeichen (vor allem Lymphopenie) erfolgte die SARS-CoV-2-PCR, die positiv war. Das pulmonale CT zeigte dann zu COVID-19-passende Befunde, das zerebrale CT war ohne akute Veränderungen (lediglich chronische mikrovaskuläre Ischämiezeichen). Die Therapie umfasste unter anderem Hydroxychloroquin, Azithromycin, Vancomycin und Piperacillin/Tazobactam. Nach drei Tagen kam es zu seriellen tonisch-klonischen Anfällen, die medikamentös unterbrochen wurden. Danach wurde der Patient auf Levetiracetam eingestellt. Im 24-h-EEG waren linkstemporale steile Wellen nachweisbar. Über zwei Tage lang wurden 2-3mal täglich weitere tonische Bewegungen der Arme beobachtet, daher wurde Valproat zur Therapie hinzugenommen. Nach fünf Tagen erlitt der Patient einen Herzstillstand, die kardiopulmonale Reanimation blieb erfolglos.

 

Sohal S, Mossammat M. COVID-19 Presenting with Seizures. IDCases 2020 May 1:e00782.] https://doi.org/10.1016/j.idcr.2020.e00782