Die „American Academy of Neurology“ hat internationale, unabhängige Konsensusempfehlungen (USA, Schottland, Argentinien, China, Italien, Niederlande, Australien, Indien, UK) für die optimale Betreuung von Epilepsiepatienten während der COVID-19-Pandemie erarbeitet. Ziel ist ein bestmöglicher Schutz vor einer Infektion bzw. das Vermeiden stationärer Behandlungen sowie von Besuchen in Notfallambulanzen.

Daten aus China deuten darauf, dass eine Epilepsie per se kein erhöhtes Risiko für eine SARS-CoV-19-Infektion oder einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung bedingt. Die Verschlechterung eines vorhandenen Anfallsleidens ist allerdings im Rahmen von Coronavirusinfektionen möglich (grundsätzliche infekt- oder fiebergetriggerte Anfallsauslösung).

Wie die Autoren der Konsensusempfehlungen betonen, sei die Betreuung chronisch Kranker mit regelmäßigen Vorstellungen in medizinischen Einrichtungen in der aktuellen Situation neu zu beurteilen. So viele medizinische Belange wie möglich sollten in der häuslichen Umgebung geklärt werden. Gleichzeitig sei es wichtig, die Patienten intensiv zu beraten, gerade im Hinblick auf die Wichtigkeit der regelmäßigen Medikamenteneinnahme und Lebensstilfaktoren (genug Schlaf, Alkoholverzicht). Wenn möglich, sollten Anfallskranke einen Notfall-Plan ausgehändigt bekommen.

Die Empfehlungen enthalten auch wichtige Therapiehinweise: Bei der medikamentösen Therapie von COVID-19 seien mögliche Interaktionen zwischen Antiepileptika und antiviralen und anderen Medikamenten zu berücksichtigen und eine individuelle Risiko-Nutzen-Beurteilung durchzuführen. Wenn bei Anfallskranken eine fiebersenkende Therapie notwendig ist, kann Paracetamol eingesetzt werden, bei Bedarf auch Ibuprofen. Wenn bei der COVID-19-Behandlung eine Indikation für Chloroquin gesehen wird, bestünden keine Kontraindikationen. Einige Erkältungsmedikamente (wie Antihistaminika) senken die Anfallsschwelle, was zu beachten sei.

 

French JA, Brodie MJ, Caraballo R et al. Keeping people with epilepsy safe during the COVID-19 pandemic. Neurology 2020 Apr 23. pii: 10.1212/WNL.0000000000009632. DOI: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000009632