Mehrere Fallserien berichteten von Schlaganfällen bei hospitalisierten COVID-19-Patienten. Zuletzt erschien die Fallserie aus New York von unter 50-jährigen COVID-19-Patienten mit Infarkten großer Hirnarterien. Nun wurde erstmals über vier US-Patienten berichtet, bei denen ein Schlaganfall der Grund für die Hospitalisierung war, die COVID-19-Erkrankung erst danach erkannt wurde. Bei drei der vier Patienten verhinderte die schwerwiegende Viruserkrankung eine leitliniengerechte Schlaganfalltherapie.

Die retrospektive Studie schloss Patienten ein, die mit einem Schlaganfall aufgenommen wurden (positive Bildgebung) und eine SARS-CoV-2-Infektion aufwiesen. Nicht ausgewertet wurden COVID-19-Patienten, die erst im stationären Verlauf einen Schlaganfall erlitten.

Vier Patienten entsprachen diesen Kriterien und werden in dieser Fallserie beschrieben. Sie waren 73 bis 88 Jahre alt, alle hatten eine Hypertonie und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Dyslipidämie, bekannte Karotisstenose, Diabetes mellitus oder chronischer Nierenerkrankung. Die Vorstellung in der Notaufnahme erfolgte wegen neurologischer Symptomatik wie Bewusstseinsstörungen, Gesichtslähmung und Sprechstörungen, Schwäche in den Extremitäten (mehrere Stürze) oder Aphasie. CT- und MRT-Untersuchungen bestätigten in allen Fällen ischämische Infarkte in zu den Symptomen passenden zerebralen Versorgungsgebieten. Bei einer Patientin handelte es sich um eine 15-minütige TIA.

Initial hatten zwei der Patienten Fieber und Husten, die anderen entwickelten kurz nach der Aufnahme respiratorische Infektzeichen. Die im Verlauf durchgeführte pulmonale Bildgebung zeigte bei allen Kranken Zeichen einer atypischen Pneumonie, die Virus-PCR war positiv. Wegen unzureichender Sauerstoffsättigung trotz O2-Gabe musste ein Patient noch am selben Tag intubiert und beatmet werden, zwei weitere in den folgenden Tagen. Alle Patienten waren infolge des schlechten Allgemeinzustandes nicht für eine Thrombektomie oder Lysetherapie geeignet und wurden supportiv und mit ASS behandelt. Bei drei der vier Patienten entschieden die Familien sich bei progredientem Verlauf zum Behandlungsabbruch.

Die TIA-Patientin hatte bereits in der Notaufnahme wieder einen unauffälligen neurologischen Befund. Eine Lysetherapie erfolgte daher nicht, die Patientin wurde stationär überwacht. Wegen leichter Kurzatmigkeit und Husten erfolgte die COVID-19-PCR mit positivem Befund. Im MRT zeigte sich später ein akuter Infarkt im linken medialen Temporallappen, im MRA eine leichte Stenose im Bereich des rechten M1-Segments. Die Patientin wurde auf ASS eingestellt und im Verlauf mit einem Ereignismonitoring ins häusliche Umfeld entlassen.

Avula A, Nalleballe K, Narula N et al. COVID-19 presenting as stroke. Brain Behav Immun 2020 Apr 28. pii: S0889-1591(20)30685-1. doi: 10.1016/j.bbi.2020.04.077. [Epub ahead of print] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889159120306851?via%3Dihub