Ziel eines erfolgreichen COVID-19-Therapiemanagements ist, zu verhindern, dass sich eine milde Infektion zu einer schweren ausweitet. Leichte neurologische Symptome treten oft schon zu Beginn der Erkrankung auf und sollten dazu führen, dass eine mögliche zugrundeliegende COVID-19-Erkrankung entdeckt und rechtzeitig erforderliche Maßnahmen eingeleitet werden. In diesem Review geben die Autoren praktische Empfehlungen für den klinischen Alltag.

Die Studiengruppe aus Wuhan hebt in diesem Review [1] die Bedeutung neurologischer Symptome bei COVID-19-Erkrankungen hervor. Die Autoren verweisen auf eine Studie [2], in der sie die Häufigkeit neurologischer Manifestationen erhoben hatten und die Mitte April in „JAMA Neurology“ publiziert wurde. Insgesamt traten bei 36,4% der insgesamt 214 Patienten neurologische Symptome auf, am häufigsten waren Schwindel, Kopfschmerzen, Ageusie und Anosmie. Auffällig war zudem, dass neurologische Symptome bei Patienten mit schweren respiratorischen Verläufen vermehrt auftraten. Es kam in dieser Gruppe aber nicht nur zu gehäuften, sondern auch zu schwereren neurologischen Manifestationen (Schlaganfälle, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle).

In dem aktuellen Review [1] führen die Autoren aus, dass es erst im späteren Verlauf der Infektion zur systemischen Angiopathie, Thrombose oder Schlaganfall komme, leichte neurologische Symptome aber oft schon zu Beginn der Erkrankung auftreten. Die wichtigste Aufgabe sei, zu verhindern, dass sich eine milde Infektion zu einer schweren entwickelt. Dafür geben die Autoren in ihrem Review folgende Empfehlungen zum Management der Patienten:

  • Behandler sollten bei neurologischen Symptomen wachsam sein. Wenn Patienten zusätzlich eine niedrige Lymphozytenzahl aufweisen, sollten ein Test auf SARS-CoV-2 und ein Thorax-CT erwogen werden.
  • Wird eine SARS-CoV-2-Infektion bestätigt mit ersten klinischen Symptomen sollten Arbidol oder Hydrochlorin verschrieben und der Patient stationär auf einer Isolierstation überwacht werden.
  • Auch Patienten mit milden Symptomen sollten nicht nach Hause geschickt werden, da es bei jedem fünften zu einem schweren Krankheitsverlauf kommt.
  • Bei Anzeichen einer pulmonalen, bakteriellen Superinfektion (Nachweis im Sputum und in der Blutkultur) sollte unabhängig vom CRP-Wert frühzeitig ein Breitbandantibiotikum gegeben werden.
  • Wenn die D-Dimere steigen, sei eine systemische Antikoagulation indiziert, Thrombozytenaggregationshemmer helfen nicht.
  • Arterielle Blutgase seien engmaschig zu überwachen, um eine Hyperkapnie durch CO2-Retention rechtzeitig zu erkennen.

[1] Zhou Y, Li W, Wang D et al. Clinical time course of COVID-19, its neurological manifestation and some thoughts on its management. Stroke Vasc Neurol. 2020 May 4; https://svn.bmj.com/content/early/2020/05/07/svn-2020-000398.long

[2] Mao L, Jin H, Wang M et al. Neurologic Manifestations of Hospitalized Patients With Coronavirus Disease 2019 in Wuhan, China. JAMA Neurol. Published online April 10, 2020. doi:10.1001/jamaneurol.2020.1127

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2764549