Im April wurde ein erster Fall eines vermutlich SARS-CoV-2-assoziierten Guillain-Barré-Syndroms (GBS) aus China publiziert; es folgten weitere Arbeiten aus Italien und Spanien zu kleinen Fallserien [wir berichteten]. Während sich ein GBS nach anderen respiratorischen oder gastrointestinalen Infektionen meist bis zu vier Wochen nach einer Infektion entwickelt, waren alle im Zusammenhang mit COVID-19 berichteten Fälle durch eine auffällig kurze Latenzzeit mit Ausbildung der neuromuskulären Symptomatik während oder nach nur (3-)5-10 Tagen gekennzeichnet. Nun wurde auch eine Kasuistik aus Deutschland publiziert und mit den bisherigen Fällen verglichen.

 Grund für den SARS-CoV-2-Abstrich bei der 54-jährigen, gesunden Frau war ein direkter Kontakt zu einem SARS-CoV-2-positiven Patienten. Sie hatte zu keinem Zeitpunkt respiratorische oder gastrointestinale Symptome oder Fieber, aber eine Anosmie und Ageusie. Drei Wochen nach ihrem positiven PCR-Befund kam sie wegen einer progressiven proximal betonten Paraparese (3/5 – 4/5), Areflexie, Parästhesien (Kribbeln) und Sensibilitätsverlust an allen Extremitäten in die Klinik. Der Beginn der neurologischen Symptome lag elf Tage nach dem Virusnachweis, inzwischen war der Rachenabstrich negativ. Infektionen (z. B. Campylobacter, Borrelien) und rheumatologische Erkrankungen (ANCA etc.) wurden ausgeschlossen. Elektrophysiologisch bestätigte sich eine segmentale demyelinisierende Polyneuropathie; im Liquor bestand eine zytoalbuminäre Dissoziation. Die Therapie mit i.v.-Immunglobulinen besserte die Symptomatik schnell: Bei der Aufnahme betrug der mEGOS („Erasmus Guillain-Barre Syndrome Outcome Score“) 3/9 und eine Woche später 1/12.

Das zeitliche Auftreten der ersten GBS-Symptome nach dem SARS-CoV-2-Nachweis bei dieser Patientin ähnelte mit elf Tagen den bisherigen Fällen, bei denen (3-)5-10 Tage zuvor eine Infektsymptomatik bestanden hatte. Im vorliegenden Fall bestanden jedoch außer der Anosmie keinerlei Symptome; auch hatte die Patientin (anders als viele der bisher berichteten GBS-COVID-19-Patienten) zum Zeitpunkt der Aufnahme keine positive PCR mehr. Die Autoren kommen beim Vergleich der Patienten zu dem Schluss, dass möglicherweise schwerere respiratorische COVID-19-Manifestationen mit einem schlechteren Outcome des GBS einhergehen könnten – entweder als Zeichen einer intensiveren pathologischen Immunantwort, oder indem die respiratorische Problematik direkt das GBS aggraviert.

Scheidl E, Canseco DD, Hadji-Naumov A, Bereznai B. Guillain-Barre syndrome during SARS-CoV-2 pandemic: a case report and review of recent literature. J Peripher Nerv Syst. 2020 May 10. doi: 10.1111/jns.12382. https://doi.org/10.1111/jns.12382