In einer Fallserie [1] aus New York werden zerebrale MRT-Befunde kritisch kranker COVID-19-Patienten mit persistierender Bewusstseinsstörung dargestellt. Insgesamt 11 Patienten wurden nach Bildauswertung durch zwei unabhängige, erfahrene Neuroradiologen in die Studie eingeschlossen. Typische Befunde waren eine diffuse Leukenzephalopathie und punktförmige Blutungen juxtakortikal und im Corpus callosum, gewertet als verzögerte posthypoxische Leukenzephalopathie.

Die Autoren untersuchten 27 schwer erkrankte und langzeitbeatmete COVID-19-Patienten. Die MRT-Indikation war bei allen Patienten eine persistierende Bewusstseinsstörung. Ausgeschlossen wurden 15 Kranke mit akuten zerebrovaskulären Läsionen (akute oder subakute Infarkte bei 11 Patienten, intrazerebrale Blutungen >1 cm bei 4 Patienten), und 1 Patient mit akuter hämorrhagischer nekrotisierender Enzephalopathie.

Das mittlere Alter der verbleibenden 11 Patienten betrug 53 (38-64) Jahre, neun Patienten waren männlich. Alle Patienten mussten über längere Zeit (durchschnittlich 27 Tage) maschinell beatmet werden; die niedrigsten Werte der Sauerstoffsättigung lagen bei 60%-85% (im Mittel 73% ± 8%). Innerhalb von 3-5 Wochen nach der Bildgebung verstarben 6/11 Patienten, die anderen befinden sich noch auf der Intensivstation.

Bei 10/11 Patienten fanden sich konfluierende T2-Hyperintensitäten mit vereinzelten Diffusionsrestriktionen bilateral supratentoriell in der tiefen und subkortikalen weißen Substanz. Bei 7/11 Patienten waren multiple punktförmige Mikrohämorrhagien der weißen Substanz juxtakortikal und im Corpus callosum nachweisbar. Meist traten die Befunde kombiniert auf, vier Patienten zeigten nur die diffuse Leukoenzephalopathie, ein Kranker nur Mikroblutungen.

Die Autoren werten die Befunde als am ehesten hypoxiebedingte zerebrale Spätkomplikation bei kritisch kranken COVID-19-Patienten (DPHL/ „delayed posthypoxic leukoencephalopathy“). In vorhergehenden MRT-Untersuchungen der Arbeitsgruppe von über 200 COVID-19-Patienten in frühen Krankheitsphasen wurden vergleichbare Befunde nicht erhoben [2]. Eine globale zerebrale Hypoxie (z. B. bei CO-Vergiftungen, Drogenintoxikation, Herzstillstand) führt typischerweise nach 10-14 Tagen zu vergleichbaren Befunden. Alternativ werden als Erklärung für die Befunde der elf beschriebenen Patienten von den Autoren eine direkte zerebrale Virusinfektion, eine septische oder metabolisch-toxische Enzephalopathie diskutiert.

Abschließend weisen die Autoren nachdrücklich darauf hin, diese MRT-Befunde als zerebrale COVID-19-Spätkomplikationen nicht zu übersehen – besonders bei Patienten mit persistierender Bewußtseinsstörung.

 

[1] Radmanesh A, Derman A, Lui Y et al. COVID-19-associated Diffuse Leukoencephalopathy and Microhemorrhages. Radiology 2020, May 21. https://pubs.rsna.org/doi/10.1148/radiol.2020202040

[2] Radmanesh A, Raz E, Zan E et al. Brain Imaging Utilization and Findings in COVID-19: A Single Academic Center Experience in the Epicenter of Disease in the United States. 2020 May 3.;

http://dx.doi.org/10.3174/ajnr.A6610