In den letzten Wochen berichteten wir bereits zur Assoziation von COVID-19 und dem Auftreten epileptischer Anfälle und verwiesen auf die Stellungnahme der DGN Kommission Epilepsien und Synkopen zu COVID-19 Infektionen und Epilepsie. Eine aktuelle Publikation aus dem Iran [2] fasst die bisherige Datenlage zu dem Thema zusammen.

Das neuroinvasive Potenzial von Coronaviren ist bekannt, die neurologische Symptomatik beinhaltet Bewusstseinsstörungen und Enzephalitiden. Epileptische Anfälle wurden schon bei früheren Coronavirus-Infektionen beschrieben, so die Autoren des aktuellen Reviews. Insgesamt scheinen sie jedoch selten zu aufzutreten. Auch für SARS-CoV-2 wurden assoziierte Krampfanfälle (einschließlich Status epilepticus) in den fünf Monaten der Pandemie bislang nur selten berichtet.

Neben der direkten zerebralen Neuroinvasion diskutieren die Autoren weitere mögliche pathogenetische Zusammenhänge, die sich aus der klinischen Situation schwer kranker COVID-19-Patienten ergeben: Hypoxie, Multiorganversagen, Elektrolyt- sowie metabolische Störungen, aber auch Medikamente als Anfallsauslöser.

Fazit für die Praxis: Behandelnde Ärzte sollten das Risiko (auch subklinischer!) epileptischer Anfälle kennen und eine sofortige adäquate Behandlung durchführen können – zumal die Patienten ohnehin meist schon in kritischem Zustand sind. Die Arbeit gibt Empfehlungen zum akuten Management von Anfällen sowie zur Betreuung von an COVID-19 erkrankten Patienten mit bekannter Epilepsie.

Asadi-Pooya AA. Seizures associated with coronavirus infections. J Seizure 2020; 79: 49-52 DOI: https://doi.org/10.1016/j.seizure.2020.05.005