Wiederholt wurde in letzter Zeit die Neuroinvasion von SARS-CoV-2 über das Riechepithel und den Bulbus olfactorius diskutiert. In „JAMA Neurology“ wurde nun erstmals in der Kasuistik über eine COVID-19-Patientin aus Italien der in-vivo-MRT-Befund einer Virusaffektion im olfaktorischen Kortex demonstriert.

Die 25-jährige, gesunde Röntgen-Assistentin einer COVID-19-Station hatte einen Tag lang leichten, trockenen Husten ohne Fieber, kurz danach entwickelte sie eine ausgeprägte Anosmie und Ageusie. Am dritten Tag wurden eine nasale fiberoptische Untersuchung und ein maxillo-faziales sowie pulmonales CT durchgeführt – ohne auffällige Befunde. Im zerebralen MRT fanden sich hingegen am selben Tag kortikale Hyperintensitäten im Bereich des rechten posterioren Gyrus rectus, die FLAIR-Bildgebung zeigte im koronaren Schnitt Hyperintensitäten im Bulbus olfactorius bilateral. Der Rachenabstrich ergab eine positive SARS-CoV-2-PCR. Die MRT-Kontrolle nach vier Wochen zeigte eine Normalisierung der Signalgebung im Gyrus rectus; der Bulbus olfactorius wirkte schmaler und weniger hyperintens als zuvor.

Die Autoren werten ihre Beobachtungen als Beleg eines sensorineuralen Ursprungs der Covid-19-assoziierten olfaktorischen Dysfunktion. Da zwei weitere anosmische Patienten keine MRT-Auffälligkeiten zeigten (an Tag 12 und 25) und auch in der Literatur keine MRT-Auffälligkeiten bei Covid-19-assoziierter Anosmie beschrieben sind, schlussfolgern die Autoren, dass MRT-Veränderungen möglicherweise nur in einem frühen Krankheitsstadium nachweisbar sind. Sie betonen, dass die Anosmie zur Identifikation von möglichen SARS-CoV-2-infizierten Menschen unbedingt beachtet werden sollte.

Politi LS, Salsano E, Grimaldi M et al. Magnetic Resonance Imaging Alteration of the Brain in a Patient With Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) and Anosmia. JAMA Neurology, Published online May 29, 2020, doi:10.1001/jamaneurol.2020.2125 https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2766765