Eine Open-label-Studie an sieben Kliniken in Wuhan untersuchte bei PCR-positiven COVID-19-Patienten die Therapie mit Rekonvalenzentenplasma, welches zusätzlich zur Standardbehandlung gegeben wurde [1]. Von Mitte Februar bis Ende März 2020 wurden 103 schwer bis lebensbedrohlich erkrankte Patienten randomisiert; stratifiziert wurde nach Schweregrad der Erkrankung. Wie sich zeigte, brachte die Therapie keinen signifikanten klinischen Nutzen, allerdings wohl auch, weil sie erst sehr spät im Krankheitsverlauf initiiert wurde.

Der primäre Endpunkt war die klinische Besserung innerhalb von 28 Tagen (Entlassung oder eine Besserung um mindestens 2/6 Punkte einer Schweregrad-Skala von 1 - 6). Das mediane Patientenalter lag bei 70 Jahren, 58% waren männlich. Insgesamt sollten 200 Patienten rekrutiert werden, allerdings gab es aufgrund des Lockdowns nach dem 24. März in Wuhan keine neuen COVID-19-Fälle, so dass die Studie mit 52 Patienten in der Plasmatherapie-Gruppe und 51 in der Standardtherapie-Gruppe vorzeitig abgebrochen wurde.

Den primären Endpunkt erreichten insgesamt 51,9% der Patienten (27/52) in der Plasma-Gruppe und 43,1% (22/51) in der Kontrollgruppe (HR 1,4; p=0,26). Bei Patienten mit schwerem Verlauf wurde der primäre Endpunkt in 91,3% der Fälle (21/23) erreicht – gegenüber 68,2% (15/22) in der Kontrollgruppe (HR 2,15; p=0,03). Das Ergebnis war nicht signifikant (p=0,17), so dass die Autoren hier lediglich den Hinweis auf einen möglichen therapeutischen Nutzen in dieser Subgruppe sehen, keinen Nachweis. Patienten mit lebensbedrohlichem Verlauf erreichten den primären Endpunkt in 20,7% (6/29) versus 24,1% (7/29) (HR 0,88; p=0,83). Beim sekundären Endpunkt der 28-Tages-Mortalität gab es ebenfalls keinen signifikanten Unterschied (15,7% vs 24%; OR 0,65; p=0,30), auch nicht bei der Zeit bis zur Entlassung (51% versus 36% Entlassungen bis Tag 28; HR 1,61; p=0,12). 72 Stunden nach der Plasma-Infusion hatten 87,2% der so behandelten Patienten eine negative Virus-PCR (gegenüber 37,5% in der Kontrollgruppe; OR 11,39; p<0,001), was die Autoren als klaren Beleg der antiviralen Aktivität der Rekonvaleszentenplasmatherapie ansehen.

Insgesamt könne die Studie jedoch nur limitierte Aussagen machen; die Gründe dafür sind neben dem vorzeitigen Abbruch und der daraus resultierenden geringeren Patientenzahl unter anderem das Open-Label-Design (keine Gabe von „Placebo-Plasma“), aber auch der Zeitpunkt des Patienteneinschlusses (Randomisierung median 30 Tage nach Symptombeginn). Auch heben die Autoren hervor, dass die relativ späte Therapieinitiierung (frühestens nach 14 Tagen) ein Grund für das geringe Ansprechen sein könnte, insbesondere in der Gruppe der Patienten mit lebensbedrohlichem Verlauf.

Li L, Zhang W, Tong X et al. Effect of Convalescent Plasma Therapy on Time to Clinical Improvement in Patients With Severeand Life-threatening COVID-19. A Randomized Clinical Trial. JAMA 2020 Published online June 3, doi:10.1001/jama.2020.10044

https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2766943