Eine belgische Klinik der Maximalversorgung führte bei der Mehrzahl aller Mitarbeiter einen serologischen Test zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 durch. Im Ergebnis zeigte sich, dass der Nachweistest nur bei gut 6% positiv war. Eine differenziertere Auswertung zeigte, dass der Dienst in der Klinik nicht mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden war. Das spricht für die Effizienz der Maßnahmen zur Infektionsprävention, die in der Klinik etabliert wurden.

Belgien hatte eine verhältnismäßig hohe Rate an COVID-19-Erkrankungen, insbesondere in der Umgebung dieses Krankenhauses der Schwerpunktversorgung in Ost-Limburg. Präventionsmaßnahmen wurden in dieser Klinik seit dem 4. März eingeführt, u.a. Testungen und Kontakt-Nachverfolgungen bei allen symptomatischen Patienten und Mitarbeitern sowie Schutzkleidung. Am 19. März wurde der erste COVID-19-Fall diagnostiziert, die Anzahl infizierter Patienten stieg bis Mitte April auf 150.

Zwischen dem 22. und 30. April wurden alle symptomfreien Mitarbeiter des Krankenhauses zu einem serologischen Test zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 eingeladen. Mitarbeiter mit Krankheitszeichen wurden in die häusliche Quarantäne geschickt und nahmen nicht teil. Die getesteten Mitarbeiter wurden gebeten, begleitend einen Fragebogen auszufüllen und Angaben zu ihrer Virusexposition (Kontakt zu positiven Patienten, Kollegen oder zu Menschen im eigenen Haushalt) und möglichen Symptomen seit Anfang März zu machen.

Von 4.125 Mitarbeitern folgten 3.056 der Einladung zum Antikörpertest (=74%). Von ihnen wiesen nur 197 IgG-Antikörper auf (IgM-Antikörper wurden wegen der relativ geringen Sensitivität und Spezifität des Schnelltests nicht in die Analyse einbezogen). Die Auswertung zeigte, dass die Arbeit in der Klinik, auch während der Lockdown-Phase, sowie die Pflege und Betreuung von COVID-19-positiven Patienten nicht mit einem erhöhten Risiko einherging, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Hingegen war der Kontakt mit SARS-CoV-2-positiven Menschen (oder Verdachtsfällen) im eigenen Haushalt mit einem deutlich höheren Infektionsrisiko assoziiert. Die Autoren erklären die relativ geringe Infektionsrate der Mitarbeiter damit, dass ausreichend Schutzausrüstungen (PPE) zur Verfügung standen und hohe Standards der Infektionsprävention eingeführt worden waren. Symptomatische Mitarbeiter wurden konsequent getestet und bei Verdacht in Quarantäne geschickt.

Limitation der Studie ist aber, dass es sich um eine Single-Center-Studie handelt, nur 74% der Mitarbeiter der Einladung zum serologischen Test zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 gefolgt waren und kurz zurückliegende Infektionen vom Test nicht sicher erfasst werden konnten, da die IgM-Antikörper nicht ausgewertet wurden.

Deborah Steensels, Els Oris, Laura Coninx et al. Hospital-Wide SARS-CoV-2 Antibody Screening in 3056 Staff in a Tertiary Center in Belgium. JAMA, June 15, 2020. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2767382