Eine Studie aus Wuhan untersuchte die Sicherheit, Verträglichkeit und Immunogenität eines rekombinanten, vektorbasierten COVID-19-Impfstoffs [1]. Als Impfantigen dient das Spike-Glykoprotein von SARS-CoV-2, welches von einem Adenovirus-Typ-5-Vektor exprimiert wird (Ad5-nCov). Ebenfalls vielversprechend sind Ansätze mit monoklonalen neutralisierenden SARS-CoV-2-Antikörpern, hier werden in den nächsten Monaten mehrere Studien anlaufen [2].

Gute Verträglichkeit und Immunogenität eines ersten Impfstoffkandidaten

In einer open-label, nicht-randomisierten Phase-I-Studie erhielten 108 gesunde Testpersonen zwischen 18 und 60 Jahren (mittleres Alter 36 Jahre, 51% männlich) drei verschiedene Dosierungen einer SARS-CoV-2-Vakzine intramuskulär (3 Gruppen mit je 36 Probanden erhielten 1×1.011; 1,5×1.011 und 5×1.010 Viruspartikel). Primäres Studienziel war das Erfassen von Nebenwirkungen innerhalb der folgenden sieben Tage. Die spezifische Antikörperbildung wurde mit ELISA kontrolliert und in einem SARS-CoV-2-Neutralisationstest (und Pseudovirus- Neutralisationstest) überprüft. Die T-Zell-Antwort wurde mittels ELISPOT („enzyme-linked immunospot“) und flußzytometrischen Analysen erfasst. Alle Teilnehmer konnten ausgewertet werden. In der Woche nach der Impfung berichteten nach der niedrigen und nach der mittleren Dosis jeweils 30 Personen (83%) von mindestens einer (meist leicht bis moderaten) Nebenwirkung, in der Gruppe mit der hohen Dosis 27 (75%). Am häufigsten waren Schmerzen an der Einstichstelle (bei 54%), Fieber (46%), Abgeschlagenheit (44%), Kopfschmerzen (39%) und Muskelschmerzen (17%). Schwere Nebenwirkungen bzw. unerwünschte Ereignisse traten über einen Zeitraum von 28 Tagen nicht auf.

Die Studie gibt darüber hinaus einen Hinweis auf die mögliche Wirksamkeit des Impfstoffs: Die Antikörperproduktion stieg nach 14 Tagen signifikant an (ELISA und Neutralisationstest) und erreichte nach 28 Tagen ein Maximum; die spezifische T-Zell-Antwort bereits nach 14 Tagen. Die Autoren sehen den Impfstoff somit als geeigneten Kandidaten für weitere Studien an.

Monoklonale Antikörper zur Therapie und Prophylaxe von COVID-19

In einem „Viewpoint“-Artikel geben US-amerikanische Wissenschaftler einen Überblick zur Antikörper-Therapie bei COVID-19-Patienten [2]. Monoklonale neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 wurden bereits in mehreren Studien eingesetzt, wobei Rekonvaleszenten-Plasma verwendet wurde. Die Datenlage ist uneinheitlich, da die meisten behandelten Patienten schwer bis lebensbedrohlich erkrankt waren und in diesen späten Stadien möglicherweise das ablaufende komplexe Inflammationssyndrom (einschließlich Koagulopathie u.a.) die Prognose bestimmt und weniger die Virusreplikation. Bei nicht-beatmeten COVID-19-Patienten dagegen wurde für Rekonvaleszenten-Plasma ein Benefit gezeigt; ebenso in frühen Stadien bei Ebola-Infektionen (Mortalitätssenkung).

In den nächsten Wochen sollen Studien mit verschiedenen humanisierten, monoklonalen SARS-CoV-2-Antikörpern bei COVID-19-Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungsschweregraden anlaufen. Wichtig sei dabei, alte Menschen sowie andere Risikopatienten frühzeitig zu behandeln, betonen die Autoren, denn dann sei der größte Nutzen zu erwarten. Außerdem sollten Antikörper-Studien placebokontrolliert klinische Endpunkte untersuchen. Genauso vielversprechend wie die Therapie sei auch der prophylaktische Einsatz zur passiven Immunisierung von Risikopatienten prä- oder postexpositionell (z. B. in Pflegeheimen), um lokale Ausbrüche zu stoppen.

Die Autoren sprechen allerdings auch offene Fragen und mögliche Limitierungen an, wie beispielsweise das Problem der infektionsverstärkenden Antikörper, welches in Tiermodellen bei anderen Coronaviren beobachtet wurde.

[1] Zhu FC, Li YH, Guan XH et al. Safety, tolerability, and immunogenicity of a recombinant adenovirus type-5 vectored COVID-19 vaccine: a dose-escalation, open-label, non-randomised, first-in-human trial. Lancet 2020; DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31208-3.

[2] Marovich M, Mascola JR, Cohen MS. Monoclonal Antibodies for Prevention and Treatment of COVID-19. JAMA 2020; Published online June 15 doi:10.1001/jama.2020.10245; https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2767383.