Viele neurologische COVID-19-Symptome wurden bislang beschrieben. In einem „Letter to the Editor“ fassen Mediziner aus Boston neuropathologische Autopsiebefunde von 18 konsekutiven Patienten mit SARS-CoV-2-positiven Rachenabstrichen zusammen.

Das mediane Alter der autopsierten Patienten betrug 62 Jahre (IQR 53-75), 14/18 waren männlich. 3/18 hatten Myalgien, 2/18 Kopfschmerzen und 1/18 eine Hypogeusie angegeben. Vorerkrankungen waren die Regel (Diabetes mellitus bei 12/18, Hypertonie 11/18, kardiovaskuläre Leiden 5/18, Schlaganfallanamnese 4/18, Demenz 4/18, anaplastisches Astrozytom 1/18). Die Patienten waren median zwei Tage (IQR 0-5) nach Symptombeginn zum Arzt gegangen und im Median sechs Tagen (IQR 2-9) nach Beginn der stationären Behandlung verstorben, also im Median acht Tage (0-32) nach Symptombeginn. 11/18 Patienten waren maschinell beatmet worden. Alle Patienten zeigten zwischenzeitlich Verwirrtheit oder eine verminderte Weckreaktion bei der Sedierung. MRT-, EEG- oder Liquordiagnostik gab es keine, 3/18 Patienten hatten zerebrale Nativ-CTs ohne Auffälligkeiten.

Bei der Obduktion wurden jeweils zehn histologische Standard-Hirnschnitte angefertigt (z. B. Frontallappen/Riechnerv, Hirnstamm). Grob inspektorisch zeigte sich bei 14 Patienten eine Atherosklerose, kein akuter Schlaganfall, keine Herniation oder Schädigung des Bulbus olfactorius. Mikroskopisch fanden sich im Groß- und Kleinhirn aller Patienten akute hypoxische Veränderungen sowie ein Neuronenuntergang in der Großhirnrinde, im Hippokampus und in der zerebellären Purkinje-Schicht. Thromben oder Vaskulitiden waren nicht erkennbar. Bei zwei Patienten wurden perivaskuläre Lymphozytenansammlungen sowie ein leptomeningealer Entzündungsfokus beschrieben; jedoch keine Virusenzephalitis. Der Blubus olfactorius war mikroskopisch unauffällig. Die SARS-CoV-2-PCR im Hirngewebe war insgesamt bei fünf Patienten positiv – unabhängig von der Erkrankungsdauer. Immunhistochemisch gelang in Neuronen, Gliazellen, Endothel oder Immunzellen derselben Proben kein Virusnachweis. Die Autoren merken an, dass die positiven PCR-Befunde auch von in situ Virus-RNA aus dem Blut der Patienten herrühren könnten.

Solomon IH, Normandin E, Bhattacharyya S et al. Neuropathological Features of Covid-19. NEJM 2020; published on June 12, DOI: 10.1056/NEJMc2019373, https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2019373.