Weltweit wird daran geforscht, wie SARS-CoV-2-Infektionen am effektivsten und sicher zu behandeln sind. Eine Querschnittanalyse der Johns Hopkins Universität charakterisierte daher WHO-registrierte klinische COVID-19-Studien zur medikamentösen Therapie und zur Plasmatherapie. Es wurden 201 Studien aus 17 Ländern gefunden (Stand 26.03.2020) – mit 92 getesteten Medikamenten inkl. Plasmatherapie; darunter 26 Monotherapiestudien und 28 verschiedene Kombinationstherapien.

Vom 1. bis 26. März verdoppelte sich die Zahl registrierter Studien. Praktisch die Hälfte der Studien (n=100; 49,8%) war in China registriert; 78 (37,8%) in den USA. Erfasst wurden unter anderem die Interventionen, kritische Designelemente und spezifische Ergebnisanalysen. Insgesamt 8/92 (8,7%) der Medikamente waren neue chemische Substanzen. Die anderen waren bekannte Virustatika, Malariamittel, Immunsuppressiva und -stimulanzien, ACE-Hemmer, aber auch Wirkstoffe aus der Onkologie, Antithrombotika, Expektoranzien, Colchicin, Metformin und weitere Substanzen.

152 Studien (75,7%) waren randomisiert (bezüglich Therapie oder zumindest für die Auswertung), 55/152 waren verblindet und 97 open-label. Die 49 (24,4%) nicht-randomisierten Studien enthielten 29 einarmige Designs und 20 Studien mit Vergleichsgruppen. Die meisten Studien erfassten multiple Endpunkte; klinische Endpunkte gab es in 134/201 (66,7%) Studien (z. B. Tod, Intensivtherapie, Symptome, Genesung, Entlassung); klinische Scores wurden in 33 (16,4%) Studien angewendet (z. B. Oxigenierung oder „critical illness“). Surrogatparameter oder Biomarker wurden in 88 Studien (42,3%) erfasst, in erster Linie die Viruslast.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Studienlandschaft derzeit Anlass zur Hoffnung, aber auch zu erhöhter Vorsicht gebe. Zwar wurden parallel zur COVID-19-Pandemie frühzeitig und schnell klinische Studien begonnen, diese könnten aber oft nicht den üblichen wissenschaftlichen Anforderungen gerecht werden. Häufig fehlten Kontrollgruppen, die Patientenzahlen waren oft klein (fast die Hälfte mit <100 Patienten), zwei Drittel waren open-label, ein Drittel untersuchte keine klinischen Endpunkte. Dennoch könnten auch Fallserien und Single-Arm-Studien erste Signale und Hinweise geben, worauf künftig mehr fokussiert werden sollte. Viele Ergebnisse sollten als vorläufige Evidenz betrachtet werden (wie Preprints ohne Peer-Review-Verfahren). Insgesamt werde deutlich, dass eine bessere globale Koordination und Qualitätssicherung notwendig wäre, um valide Daten zur COVID-19-Therapie zu generieren. Dies könne u. a. durch internationale Register erfolgen.

Mehta HB, Ehrhardt S, Moore TJ, et al. Characteristics of registered clinical trials assessing treatments for COVID-19: a cross-sectional analysis. BMJ Open 2020; 10: e039978 doi:10.1136/bmjopen-2020-039978

https://bmjopen.bmj.com/content/10/6/e039978