Bei COVID-19 kommt es oft zu thrombembolischen Komplikationen, besonders zu pulmonalen Embolien (PE). Man vermutet, dass es sich dabei oft nicht um klassische Lungenembolien, sondern um in situ entstandene Immunothrombosen handelt. Dies sind lokale Thrombosierungen, vor allem in kleinen Gefäßen, die durch infektionsassoziierte, intravasale Immunprozesse entstehen. Eine niederländische Studie untersuchte diese Hypothese und analysierte die speziellen klinischen und computertomografischen Merkmale akuter PEs bei COVID-19-Patienten.

23 konsekutive Lungenembolien bei Patienten mit SARS-CoV-2-Pneumonie wurden mit 100 konsekutiven Lungenembolie-Patienten vor der Pandemie verglichen. Zielparameter waren die spezifische RV/LV-Ratio der kardialen Ventrikel-Durchmesser, der Durchmesser des Truncus pulmonalis und die „Gesamt-Thrombus-Last nach Qanadli“. Hinweis auf eine PE war in den meisten Fällen eine ausbleibende klinische Verbesserung der Beatmungssituation (57%), alternativ eine plötzliche und unerwartete respiratorische Verschlechterung (30%) oder ein hämodynamischer Schock (8,7%).

In der CT-Bildgebung waren (anders als bei einer Nicht-COVID-19-assoziierten PE) die thrombotischen Läsionen mehr auf periphere Lungenarterien bzw. auf betroffene Lungenparenchymregionen verteilt, die Gesamt-Thrombus-Last war geringer, die mittlere RV/LV-Ratio war niedriger und eine RV/LV-Ratio >1 seltener. Die Autoren folgern aus diesen Befunden, dass die COVID-19-assoziierte Lungenembolie sich phänotypisch tatsächlich von Nicht-COVID-19-assoziierten Lungenembolien unterscheidet, was die Diskussion um den zugrundeliegenden Pathomechanismus weiter vorantreiben dürfte.

van Dam LF, Kroft LJM, van der Wal LI et al. Clinical and computed tomography characteristics of COVID-19 associated acute pulmonary embolism: A different phenotype of thrombotic disease? Thromb Res 2020 Jun 6 doi: 10.1016/j.thromres.2020.06.010 [Epub ahead of print]

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7274953/