Der monoklonale Antikörper Mavrilimumab bindet an den GM-CSF-Rezeptor-α (Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor) und blockiert so die Signalübertragung des Zytokins GM-CSF. In einer 4-wöchigen, prospektiven Kohortenstudie an einem Zentrum in Mailand erhielten erwachsene Patienten mit schwerer COVID-19-Pneumonie und systemischem Hyperinflammations-Syndrom zusätzlich zur Standardbehandlung Mavrilimumab (einmalig 6 mg/kg intravenös).

Einschlusskriterien waren eine positive Virus-PCR, bilaterale pulmonale Infiltrate in der Bildgebung, eine Hypoxie (PaO2/FiO2 ≤300 mm Hg) und vordefinierte erhöhte Inflammationsmarker. Eine mechanische Beatmung war Ausschlusskriterium. In der Mavrilimumab-Gruppe waren 13 Patienten (12 Männer) mit einem medianen Alter von 57 (52–58) Jahren. Als Kontrollgruppe dienten 26 Patienten (17 Männer) mit einem medianen Alter von 60 (53–67) Jahren, die aus verschiedenen Gründen kein Mavrilimumab erhalten haben (z. B. Substanz gerade nicht verfügbar, keine Einwilligung). In den Basismerkmalen waren die Gruppen vergleichbar (wie Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen, paraklinische und respiratorische Befunde). Als primärer Endpunkt galt die Zeit bis zur Verbesserung des klinischen Zustandes um ≥2 Punkte auf einer 7-Punkte-Skala.

Während der Studiendauer von 28 Tagen verstarb kein Patient der Mavrilimumab-Gruppe, jedoch 7/26 (27%) Kontrollpatienten (p=0,086). Am Studienende zeigten alle Mavrilimumab-Patienten eine klinische Verbesserung gegenüber 17 (65%) der Kontrollpatienten (p=0,030). Die klinische Besserung unter Mavrilimumab war schneller eingetreten – im Mittel nach 8 (5-11) gegenüber 19 (11 bis >28) Tagen (p=0,0001). Im Verlauf der vier Wochen musste ein Patient (8%) der Mavrilimumab-Gruppe mechanisch beatmet werden – gegenüber 9/26 (35%) in der Kontrollgruppe (p=0,14). 3/26 (12%) der Kontrollpatienten entwickelten infektiöse Komplikationen. Die Verträglichkeit von Mavrilimumab wurde insgesamt als gut bewertet.

Unter dem Vorbehalt der Vorläufigkeit der Ergebnisse bzw. aller Limitationen der Studie, scheinen die Patienten von Mavrilimumab profitiert zu haben, so die Autoren. Die Daten seien ermutigend und lieferten erste Evidenz, dass eine GM-CSF-Blockade eine effektive COVID-19-Therapie darstellen könnte. Eine Multizenter-Studie (randomisiert, placebokontrolliert) sei in Planung.

De Luca G, Cavalli G, Campochiaro C et al. GM-CSF blockade with mavrilimumab in severe COVID-19 pneumonia and systemic hyperinflammation: a single-centre, prospective cohort study. Lancet Rheumatol 2020; Published: June 16   

https://www.thelancet.com/journals/lanrhe/article/PIIS2665-9913(20)30170-3/fulltext