In bisherigen Publikationen wurde bisher nur einmal eine SARS-CoV-2-positive Liquor-PCR beschrieben. Die vorliegende Kasuistik aus Spanien stellt eine Patientin mit Gastroenteritis, visueller Aura, Migräne und Bewusstseinsstörung vor – ohne respiratorische Symptomatik, aber positivem Rachenabstrich sowie Virusnachweis im Liquor.

Die 74-jährige Frau kam wegen starker Kopfschmerzen, Photophobie, Erbrechen und Verwirrtheit in die Ambulanz. Zuvor bestand über 10 Stunden eine visuelle Aura mit Verschwommensehen. Anamnestisch war eine Migräne mit typischer (jedoch kürzerer) Aura bekannt. Seit 10 Tagen bestanden außerdem Diarrhoe, Erbrechen und Myalgien; Fieber oder respiratorische Symptome wurden verneint (pulmonale Bildgebung und Hydrierung waren normal). Die sprachlichen Äußerungen waren zusammenhanglos (GCS gesamt 12 Punkte, Augen/verbal jeweils nur 3 Punkte), ein Meningismus lag nicht vor. Der Liquor zeigte keine Entzündungszeichen, aber die SARS-CoV-2-PCR war sowohl im Rachenabstrich als auch im Liquor positiv; die Suche nach anderen Viren und Bakterien verlief negativ. Unter einer Behandlung mit Flüssigkeitssubstitution, Analgetika, Chloroquin und Lopinavir/Ritonavir besserte sich die Bewusstseinslage über 24 Stunden. Kopfschmerzen, Photo- und Phonophobie hielten für weitere fünf Tage an. Das zerebrale MRT (nach 48 Stunden) zeigte rechts parietal kortikal bis subkortikal eine 3 mm große Diffusionsrestriktion mit Darstellung auch in der FLAIR-Wichtung, was als subakute ischämische Läsion interpretiert wurde, jedoch nicht das gestörte Bewusstsein erklärte. Hinweise auf eine Vaskulitis fanden sich nicht. Es wurde eine SARS-CoV-2- oder Migräne-assoziierte Infarzierung diskutiert und eine Sekundärprophylaxe mit ASS begonnen. Nach einer Woche war die Patientin vollständig genesen.

Aufgrund der positiven Liquor-PCR sehen die Autoren das neuroinvasive Potenzial von SARS-CoV-2 als bestätigt an. Da die Bewusstseinsstörung weder durch Hypoxie, Dehydratation, Enzephalitis oder systemische Entzündung erklärt werden konnte, wird eine virale Genese postuliert. Während Kopfschmerzen bei COVID-19 häufig sind, sei eine prolongierte Aura zuvor nicht beschrieben worden, so die Autoren – und es bleibe unklar, ob und wie SARS-CoV-2 als Migräne-Trigger gewirkt bzw. die Aura prolongiert haben könnte. Außerdem wird für diesen Fall mit initialer Gastroenteritis die Möglichkeit der neuralen Virusausbreitung über den N. vagus diskutiert.

Cebrián J, Gonzalez-Martinez A, García-Blanco MJ et al. Headache and impaired consciousness level associated with SARS-CoV-2 in CSF: A case report. Neurology 2020, Published Ahead of Print on July 8. https://n.neurology.org/content/neurology/early/2020/07/08/WNL.0000000000010213.full.pdf