Zwei aktuelle Studien, eine amerikanische und eine italienische, berichten Risikofaktoren für einen tödlichen Verlauf der COVID-19-Erkrankung. Alter und männliches Geschlecht waren in beiden Erhebungen mit einem höheren Mortalitätsrisiko verbunden. Die US-amerikanische Studie führt u.a. einen hohen BMI als Risikofaktor an, die italienische den Typ-2-Diabetes. Eine weitere Arbeit bewertete den Risikofaktor Adipositas – und kam zu dem Ergebnis, dass es sich um einen besonders relevanten Risikofaktor für ein schlechtes Outcome handelt. Ein BMI von über 35 verzwölffachte das Risiko.

Eine italienische Arbeitsgruppe [1] wertete die Daten von 3988 intensivpflichtigen Patienten, die in Krankenhäusern der Lombardei behandelt worden waren, aus und analysierte unabhängige Risikofaktoren für Mortalität. Folgende wurden identifiziert: Höheres Alter, männliches Geschlecht, hohe inspiratorische Sauerstofffraktion, hoher positiver endexspiratorischer Druck und niedrige PaO2/FiO-Ratio bei Aufnahme auf die Intensivstation, vorbestehende COPD, Hypercholesterinämie und Typ-2-Diabetes. Bestimmte Medikamente waren hingegen nicht signifikant mit einer höheren Mortalität assoziiert (z.B. ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker).

Eine US-Studie [2] analysierte die Risikofaktoren für Mortalität bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten in einer Kohorte von 2215 Patienten. Folgende unabhängige Risikofaktoren wurden identifiziert: Höheres Alter, männliches Geschlecht, ein hoher BMI, vorbestehende koronare Herzkrankheit, aktive Krebserkrankung sowie Hypoxie, Leber- oder Nierenfunktionseinschränkungen bei Aufnahme auf die Intensivstation.

Auch ein versorgungsseitiger struktureller Faktor wurde identifiziert: Demnach beeinflusste die Zahl der Intensivbetten das Mortalitätsrisiko (in kleineren Häusern war das Risiko zu versterben höher).

In einer weiteren italienischen Studie [3] wurde der Risikofaktor Adipositas gesondert betrachtet und retrospektiv ausgewertet. 482 Patienten mit einem BMI über 30 wurden in die Analyse eingeschlossen. Wie sich zeigte, ging ein BMI zwischen 30 und 34,9 mit einem signifikant erhöhtem Risiko für respiratorisches Versagen und Intensivpflichtigkeit einher, ein BMI von 35 und war mit einem signifikant erhöhten, zwölffachen Mortalitätsrisiko verbunden (OR: 12,1 )

[1] Grasselli G, Greco M, Zanella A et al. Risk Factors Associated With Mortality Among Patients With COVID-19 in Intensive Care Units in Lombardy, Italy. JAMA Intern Med 2020. Published July 15.

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2768601

[2] Gupta S, Hayek SS, Wang W et al. Factors Associated With Death in Critically Ill Patients With Coronavirus Disease 2019 in the US. . JAMA Intern Med 2020. Published July 15.

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2768602

[3] Rottoli M, Bernante P, Belvedere A et al. How important is obesity as a risk factor for respiratory failure, intensive care admission and death in hospitalised COVID-19 patients? Results from a single Italian centre.  European Journal of Endocrinology 2020. Published July 1.

https://eje.bioscientifica.com/view/journals/eje/aop/eje-20-0541/eje-20-0541.xml