Mehrere Publikationen haben bereits die Häufigkeit thromboembolischer Ereignisse bei COVID-19-Patienten untersucht, die Ergebnisse sind jedoch heterogen. In einer aktuellen US-amerikanischen Auswertung, in der die Daten von 3334 Patienten ausgewertet wurden, traten venöse und arterielle thromboembolische Ereignisse insgesamt bei 533 Patienten (= 16%) auf. Bei den 829 intensivpflichtigen Patienten der Kohorte lag die Rate mit 29,4% deutlich höher. Eine radiologische Studie zeigte darüber hinaus, dass COVID-19-Patienten häufiger Thromben in den unteren Extremitäten aufwiesen und ein höheres Amputationsrisiko haben.

Die Patienten waren im Durchschnitt 64 Jahre alt, 39,6% waren weiblich. Die meisten Patienten hatten eine niedrigdosierte Antikoagulation erhalten. Insgesamt traten bei 533 Patienten thromboembolische Ereignisse auf, mitunter auch mehrere Ereignisse bei einzelnen der Patienten. In 207 Fällen (6,2%) handelte es sich um venöse thromboembolische Ereignisse (3,2% waren Lungenembolien, 3,9% tiefe Venenthrombosen). 365 Patienten erlitten arterielle Thromboembolien (1,6% ischämische Schlaganfälle, 8,9% Myokardinfarkte und 1% systemische Embolien).

Bei den 829 intensivpflichtigen Patienten der Kohorte lag die Rate thromboembolischer Ereignisse bei 29,4%. Die Autoren führen abschließend aus, dass die Thromboserate damit höher als bei anderen akuten Infektionserkrankungen zu sein scheint (sie betrug 5,9% bei der Influenza-Pandemie im Jahr 2009).

Als unabhängige Risikofaktoren identifizierten die Autoren Alter, Geschlecht, hispanische Herkunft, vorbekannte koronare Herzkrankheit, vorangegangener Myokardinfarkt und hohe D-Dimere bei Krankenhausaufnahme.

Interessant sind darüber hinaus die Ergebnisse einer radiologischen Studie [2]. Bei 16 COVID-19-Patienten und 32 gesunde Vergleichspatienten wurde eine CT-Angiographie (CTA) der unteren Extremitäten durchgeführt: Alle COVID-19-Patienten wiesen mindestens einen Thrombus auf im Vergleich zu 69% in der Kontrollgruppe; das Amputationsrisiko war bei den COVID-19-Patienten höher.

[1] Thrombosis in Hospitalized Patients With COVID-19 in a New York City Health System

Bilaloglu S, Aphinyanaphongs Y, Jones S et al. Thrombosis in Hospitalized Patients With COVID-19 in a New York City Health System. JAMA 2020. Published July 20.

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2768715

[2] Goldman IA , Ye K, Scheinfeld MH et al. Lower extremity arterial thrombosis associated with COVID-19 is characterized by greater thrombus burden and increased rate of amputation and death. Radiology 2020. Published July 16.

https://pubs.rsna.org/doi/10.1148/radiol.2020202348